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Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal - Geschichte

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Abbildung  Button Die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal. Lithographie von C. Guise, um 1800.
Markgräfin Irmengard von Baden, Witwe Markgraf Hermanns V., führte eine seit 1243 bestehende Gemeinschaft von Frauen dem Zisterzienserorden zu und berief 1245 zur Einführung Zisterzienserinnen aus dem Kloster Wald. Die 1247 zur Äbtissin gewählte Zisterzienserin Trudinde bewarb sich beim Generalkapitel in Cîteaux um die Inkorporation Lichtenthals, unterstützt durch die Markgräfin und ihre Söhne Hermann und Rudolf. Nach einer Inspektion übertrug der Orden die Paternität 1248 dem Abt des Klosters Neuburg im Elsaß. Er assistierte dem Straßburger Bischof Heinrich von Stahleck am 3. November 1248 bei der Kirchweihe zu Ehren der "Assumptio Mariae". Das Patrozinium ist am 15. August. Die aus Backnang überführten Gebeine Hermanns V. wurden vor dem Hochaltar beigesetzt. Markgraf Rudolf I. stiftete daher 1288 die Fürstenkapelle als Grablege. Er ruht dort mit seiner Gemahlin Kunigunde von Eberstein und seinen Nachkommen.

Zur Gründung des Klosters hatte Markgräfin Irmengard von ihren Söhnen Güter erhalten, die sie in der Kirchweihurkunde 1248 der Abtei übereignete. In deren Besitz blieben hiervon bis zur Säkularisation 1803 die Dörfer Winden und Beuern, zwei Höfe in Oos, einer in Haueneberstein und ein Anteil am Zehnt zu Iffezheim. 1256 gewährte Markgraf Rudolf I. die Teilhabe an der Nutzung der Allmenden der Stadt Baden. Dem Kloster schenkte er das Dorf Geroldsau im Grobbachtal samt allen darauf liegenden Rechten. Seine Tochter Adelheid von Baden war von 1263 bis 1296 Äbtissin in Lichtenthal. Ihre Mutter entstammte dem Geschlecht der Grafen von Eberstein. Da der Adel und das wohlhabende Bürgertum ihre Töchter durch Schenkungen an das Kloster ausstatteten, erhielt dieses bis zum Ende des 14. Jh. einen ausgedehnten Streubesitz.

Aufgrund des Besitzstandes wurde für Lichtenthal vom Orden ein "numerus clausus" von 40 Personen bestimmt. Der Konvent führte ein streng monastisches Leben, vor allem unter mehreren Äbtissinnen aus dem Hause Lichtenberg und der Äbtissin Agnes von Baden (1335-1360), die mit ihren Schwestern Irmengard und Maria von Baden eingetreten war.

Der im 14. Jh. auf 80 Personen anwachsende Konvent geriet jedoch in eine Krise des gemeinsamen Lebens. Der Orden vollzog damals in den Frauenklöstern eine Reform, der sich Lichtenthal seit 1426 unterzog. Jegliches Privateigentum wurde abgeschafft, der ganze Konvent sollte wieder aus den gemeinsamen Einkünften leben. Auch musste die Klausur eingehalten und das Chorgebet regulär verrichtet werden. Zur Einhaltung dieses ordensgemäßen Verhaltens kamen Nonnen des reformierten Klosters Königsbrück im Elsaß nach Lichtenthal. Aus ihnen wählte der Konvent die ersten bürgerlichen Äbtissinnen Elisabeth Wiest (1444-1459) und Anna Strauler (1459-1475). Die Markgrafen von Baden setzten das in Rom anerkannte Erbrecht der Professen zugunsten der Gemeinschaft durch. Die zum Stiftungsgut gehörenden Patronate der Kirchen in Baden und Ettlingen gab das Kloster im 15. Jh. mit Erlaubnis des Ordens zurück, als diese in Stiftskirchen umgewandelt wurden.

Seit der Neuzeit bestimmte die bei jedem Regierungswechsel veränderte Religionspolitik der Markgrafen deren Verhältnis zum Kloster Lichtenthal. Dabei wuchs auch bei katholischen Landesherren der Anspruch auf Mitsprache bei Äbtissinnenwahlen und Aufnahme von Novizinnen. Dies beeinträchtigte die Freiheit des Ordens, die durch verhinderte Paternität ohnehin gefährdet war, denn der badische Regent lehnte den Abt von Neuburg im Elsaß als Visitator für Lichtenthal ab, da er ein Untertan des französischen Königs war. Seit dem Ende des 15. Jh. hatten ihn die Äbte der von Neuburg gegründeten Klöster Maulbronn und Herrenalb vertreten. Beide Abteien wurden während der Reformation durch Herzog Ulrich I. von Württemberg aufgehoben. 1568 erlangte Äbtissin Barbara Veus (1551-1597) für den Abt von Tennenbach das Visitationsrecht. Ab 1622 unterstand Lichtenthal nacheinander Salem und Lützel. Wegen politischer Konfliktgefahr erhielt 1668 der Abt von Tennenbach endgültig die Paternität bis zur Aufhebung seines Klosters 1803.

Da Lichtenthal einen guten Personalstand hatte, zog eine Gründergruppe auf die Bitte des Grafen von Fürstenberg 1570 in das von den Benediktinerinnen verlassene Kloster Friedenweiler ein. Personell half Lichtenthal im fürstenbergischen Kloster Maria Hof in Neudingen ebenfalls aus. Für das durch Aussterben gefährdete Kloster Wonnental wurde wiederholt aus Lichtenthal eine Äbtissin postuliert. Reformhilfe leistete Lichtenthal 1593 im Kloster Olsberg bei Augst.

Als während des Pfälzischen Erbfolgekriegs am 24. August 1689 die Stadt Baden in Brand gesetzt wurde, blieb Lichtenthal verschont. Von 1690 bis 1693 mussten jedoch die jüngeren Nonnen wegen Bedrohung durch die durchziehenden Truppen in die schweizerischen Klöster Magdenau, Tänikon, Feldbach, Wurmsbach und ins schwäbische Kloster Rottenmünster emigrieren.

Die Herrschaftsrechte der Äbtissin vertrat im 17. und 18. Jh. der jeweilige Oberschaffner. Eine historisch bedeutende Chronik schrieb der 1732 zum Amtmann beförderte Johann Alban Glyckher, sein Sohn und Nachfolger Bernhard vollendete sie 1779. Nach dem Aussterben der markgräflichen Linie Baden-Baden 1771 huldigte Lichtenthal dem neuen Landesherrn Karl Friedrich von Baden. Er antwortete darauf mit der Zusicherung seines Schutzes. Der 1793 begonnene Reichskrieg mit der französischen Revolutionsregierung führte 1796 zur Besetzung des Beuerner Tals. Markgraf Karl Friedrich schloss daher am 22. August 1796 unter Verzicht auf seine linksrheinischen Güter einen Sonderfrieden. Er erlaubte bei der Säkularisation 1803 dem Konvent von Lichtenthal trotz der Einziehung seines Besitzes weiterhin das gemeinsame Leben und gewährte eine finanzielle Unterstützung, Sustentation genannt.

Religiös-kulturell bedeutsam sind die Handschriften Lichtenthals. Sie befinden sich heute weithin in der Badischen Landesbibliothek, teilweise im Kloster: Chorbücher des 13. bis 15. Jh. aus Neuburg, Maulbronn und Herrenalb, aus dem Lichtenthaler Skriptorium von Sr. Regula alemannische Kodizes des 15. Jh. zur Erneuerung der Spiritualität und Chorbücher verschiedener "Hände". Im 16. Jh. wurde "Der Gesandte der göttlichen Liebe" der hl. Gertrud von Helfta durch Äbtissin Barbara Veus aus dem Lateinischen ins Alemannische übersetzt. Im 18. Jh. setzte Sr. Rosa Melling biblische Bilder in große Wandgemälde um.

Der Schlüsselmuttergottes in der Fürstenkapelle werden seit dem 16. Jh. die Sorgen des Klosters und der ganzen Menschheit anvertraut. Vom seligen Markgrafen Bernhard von Baden besitzt Lichtenthal eine große Reliquie und die älteste Statue. Dem hl. Ordensvater Bernhard von Clairvaux gilt die Kanzel des Thomas König von 1606. Die Kirche enthält Spuren des romanischen Gründungsbaus. 1332 nennt die Weiheurkunde des gotischen Ostchors zusätzlich die hl. Dreikönige als Patrone. Dies kommt in der späteren Ausstattung der Kirche durch die Äbtissinnen Margarethe (1475-1496) und Maria von Baden (1496-1519) zur Geltung.

Das verlängerte Langhaus entlang dem Südflügel des Klosterquadrums wurde 1470 unterkellert wegen des erhöhten Nonnenchors, an welchen sich an der Nordseite das im 18. Jh. im Stil von Peter Thumb errichtete Abteigebäude anschließt. Die letzte Kirchenrenovation 1968/69 sicherte den Zisterzienserstil und setzte die Weisungen des II. Vatikanischen Konzils um. Die biblischen Themen der Chorfenster von Emil Wachter und des Tabernakels von Herbert Kämper tragen dazu bei. Den Klosterhof charakterisiert der Marienbrunnen mit der Mariensäule des 17. Jahrhunderts. Das Amtshaus dient als Schule. Die Ökonomiegebäude des 18. Jh. sind als Stätte der Begegnung umgebaut, ergänzt durch eine Buch- und Kunsthandlung und Ausstellungsräume. Im Kloster leben heute unter zeitgemäßen Verhältnissen 25 Professen und einige Novizinnen.

Sr. M. PIA SCHINDELE O.Cist.     
LITERATUR
-<KB Baden-Baden> 155-158.
- <KDB XI/1> 406-522.
- H. SIEBENMORGEN (Hg.): Faszination eines Klosters. 750 Jahre Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal. Ausstellung des Badischen Landesmuseums vom 25.02. bis 21.05.1995. Red. R. STRATMANN-DÖHLER u. B. HERRBACH-SCHMIDT. Sigmaringen 1995.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 171: Pforzheim, Amt und Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 173: Rastatt, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 179: Staufenberg, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 195: Baden-Baden, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 199: Ettlingen, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 205: Heidelberg, Universität
-Generallandesarchiv Karlsruhe 220: Rastatt, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 35: Lichtenthal
-Generallandesarchiv Karlsruhe 48: Haus- und Staatsarchiv: III. Staatssachen
-Generallandesarchiv Karlsruhe 64: Anniversarienbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 66: Beraine
-Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 74: Baden-Generalia
-Generallandesarchiv Karlsruhe 75: Baden-Ausland
-Generallandesarchiv Karlsruhe 78: Bruchsal Generalia (Hochstift Speyer)
-Generallandesarchiv Karlsruhe 88: Frauenalb
-Generallandesarchiv Karlsruhe 92: Lichtenthal
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
-Generallandesarchiv Karlsruhe E: Papsturkunden 1198-1302
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