Klöster in Baden-Württemberg
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Augustinerkloster Freiburg - Geschichte

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Das Augustinerkloster wurde erstmals am 16. Dezember 1278 urkundlich erwähnt. Der Wortlaut der Urkunde lässt vermuten, dass die Augustiner-Eremiten schon einige Zeit in der Stadt ansässig waren. Das Kloster gehörte zur deutschen Provinz. Als diese 1299 in vier Provinzen geteilt wurde, kam es zur rheinisch-schwäbischen. Im Jahre 1781 bildeten auf Befehl der österreichischen Regierung vier Klöster auf vorderösterreichischem Gebiet die oberösterreichische Provinz. Die Verbindung mit dem Generalprior wurde verboten, Ordensstudien wurden aufgelöst. 1782 wurde der Prior von Konstanz zum Direktor ernannt, 1789 wurde er Provinzial. Da die städtische Obrigkeit die Bettelordenshäuser als ihre Klöster betrachtete, ergab sich eine gewisse Abhängigkeit. Die Augustiner entstammten meist dem Bürgertum, aber es wurde auch über die Termineien Nachwuchs vom Land rekrutiert. Sehr viele der Konventualen waren Freiburger, der größte Teil kam aus dem gesamten Gebiet der rheinisch-schwäbischen Provinz.

Der Grundbesitz des Klosters war gering und wurde durch Vaubans Festungsbau noch mehr verringert.

1422 wurde Johannes Herder beauftragt, den Konvent zu reformieren. 1433 entzog kurze Zeit der Generalvikar des Ordens Gerhard von Rimini das Kloster der Autorität des Provinzials, um die Observanz zu wahren. Nie war der Konvent Mitglied der deutschen Reformkongregation, der Luther angehörte.

Als 1748 Kaiser Joseph II. im Franziskanerkloster die Pfarrei St. Martin errichtete, mussten die dortigen Franziskaner in das Augustinerkloster umziehen, die Augustiner - es waren 8 Patres - nach St. Martin umziehen, wo sie als Hilfspriester wirken sollten. Bis zur Aufhebung des Klosters 1810 waren 14 Augustiner als Cooperatoren tätig oder lebten dort als einfache Konventualen.

1821 fiel das Kloster, welches bis dahin von den Franziskanern bewohnt wurde, der Stadt zu, die in der Kirche von 1823 bis 1910 ein Theater einrichtete. Die übrigen Räume wurden Schule und Kaserne. Von 1921 bis 1923 wurden Kirche und Kloster restauriert, und seit 1923 sind die Städtischen Kunstsammlungen in den ehemaligen Gebäuden der Augustiner-Eremiten untergebracht. Die Bausubstanz hat sich kaum verändert.

Die Freiburger Augustiner besaßen eine Bibliothek, die 1707 durch eine Brand teilweise zerstört wurde, deren Verluste allerdings durch eine Schenkung von 1709 kompensiert werden konnten. Das reiche Archiv überstand den Brand.

Zu den bekannteren Konventsmitgliedern gehörten: Dr. Tilmann Limperger, er war von 1485-1490 Prior in Freiburg sowie Povinzial, Professor und mehrmaliger Dekan der Universität. 1498 wurde er zum Titularbischof von Tripolis und Weihbischof von Basel erhoben. Er hielt 1529 die erste reformierte Predigt im Basler Münster. Von 1754-1756 studierte Engelbert Klüpfel an dem seit 1668 in Freiburg bestehenden Ordensstudium und wurde im Zuge der Universitätsreform Kaiser Josefs II. Professor der Dogmatik an der Universität Freiburg, wo er eine wissenschaftliche Zeitschrift begründete und ein dogmatisches Lehrbuch schrieb. Als Künstler wirkten 1707 der Stukkateur und Architekt Bruder Thomas Zeni, 1742 der Kunstschreiner Bruder Nikolaus Sing sowie der Organist und Komponist P. Felix Gass. Der Augustiner P. Thomas Zipfeli, seit 1787 Prior und Cooperator an St. Martin, fertigte im Auftrag des Magistrats einen Stadtplan an.

Nach ihrem Gründungsauftrag waren die Augustiner als Prediger und Beichtväter tätig. 1410 ließen sich die Schwestern vom Grünenwald zu Freiburg in den Augustinerorden aufnehmen und begaben sich so in den Schutz des Mönchskonvents. 1613 wurde den Augustinern die Pfarrei Ebnet übertragen. Sie versahen das Amt des Pfarrvikars bis zur Aufhebung des Klosters. Der Ordensheilige Nikolaus von Tolentino wurde auch vom Volk sehr verehrt.

In jüngster Zeit durchgeführte Grabungen zeigen, dass für die Errichtung der Kirche sieben Häuser abgerissen worden sind. Ein achtes, älteres Haus blieb erhalten. Wahrscheinlich das "Urkloster", das vor 1278 von den Augustinern bewohnt wurde. 1299 konsekrierte Konrad von Lichtenberg, Bischof von Straßburg, die Kirche, die über die Jahrhunderte gewisse bauliche Veränderungen erfuhr. 1706 wurden die erhöhten Langhauswände mit zehn ovalen Fenstern versehen und stukkiert, zwei neue Kapellen errichtet, die alte Sakristei und das "Urkloster" renoviert und erweitert. Nach dem Brand des Jahres 1707 begann man mit dem Bau der Küche und des Winterrefektoriums.

MICHAEL K. WERNICKE     
LITERATUR
-<KB Freiburg> I/2, 921f.
- <GLAK> Hs 1311. Protocollum Conventus Friburgensis Brisgoiae.
- A. HÖHN: Chronologia Provinciae Rheno-Svevicae Ordinis FF. Eremitarum S.P.Augustini. Würzburg 1744.
- W. RAUCH: Engelbert KLÜPFEL, ein führender Theologe der Aufklärungszeit. Freiburg i. Br. 1922.
- A. KUNZELMANN, Geschichte der deutschen Augustiner-Eremiten. 1. u. 2. Teil. Würzburg 1969 u. 1970.
- F. LÖBBECKE, "…und erhielten die Erlaubnis zum Bau einer größeren Kirche"? - Gründung und Bau des Freiburger Augustinereremitenklosters in der Oberen Altstadt. In: <Eine Stadt braucht Klöster> 160-165.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 200: Freiburg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
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