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Franziskanerkloster Offenburg - Geschichte
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Abbildung  Button Stadtansicht von Offenburg von 1720 mit Franziskanerkloster (Nr. 3), Kupferstich von Johann Christian Leopold.
Nachdem die Franziskaner seit 1217/1221 zahlreiche Niederlassungen in Frankreich, Spanien und Deutschland gegründet hatten, erfolgte 1280 die offizielle Bitte des Schultheißen von Offenburg an die "Minderen Brüder", sich um die Seelsorge in der Stadt zu kümmern. Die Gründung des Offenburger Franziskanerklosters erfolgte noch im gleichen Jahr. Als Bauplatz diente das größte zusammenhängende Areal der alten Reichsstadt, ein großes Grundstück direkt an der nördlichen Stadtmauer. Das Baumaterial stiftete der "Altschultheiß Heinrich" aus einem Steinbruch in Fessenbach. Mitte des 15. Jh. erbauten die Offenburger Franziskaner außerhalb der Stadtgrenzen zusätzlich ein Bruderhaus mit einer Wallfahrtskapelle, die dem hl. Antonius von Padua geweiht wurde.
Die Aufgaben der Franziskaner waren vor allem die Seelsorge, die Betreuung des nichtregulierten "Dritten Ordens", in welchen sich Laien einschreiben lassen konnten, und die Verehrung der seligen Gertrudis von Ortenberg. 1451 wählte die Schützenbrüderschaft St. Sebastian die Franziskanerkirche zu ihrem geistlichen Mittelpunkt, die Mönche lasen die Bruderschaftsmessen und übernahmen die Begräbnisse der Mitglieder. 1496 bat auch die Bruderschaft der Schmiede und Wagner zum hl. Eligius um die geistliche Führung durch die Franziskaner.
Der Konvent besaß neben der Klosterkirche, dem Klostergebäude mit allen dazugehörigen Nebengebäuden und Gärten weitere Häuser und Hofgüter. Die Patres bezogen außerdem Pachtzins von Gärten, Wiesen, Ackerland und Reben in der näheren Umgebung vor allem im Offenburger, Zeller, Ebersweirer, Korker, Waltersweirer und Lahrer Bann. Auch zahlreiche Stiftungen durch Offenburger Bürger gingen an das Kloster, als Gegenleistung hielten die Franziskaner Jahrtagsmessen für einen unbeschränkten Zeitraum ab. Das Gesamtvermögen des Klosters betrug 1810 fast 145.000 Gulden, damit war es erstaunlich gut situiert und zählte sicherlich zu den reichsten Bettelklöstern Badens. In dieser Zeit lebten rund 16 Personen im Kloster.
Im Jahre 1660 stimmte der Provinzial der Franziskaner der Unterrichtsaufnahme in Offenburg durch die Patres zu. Nach dem Vorbild der Jesuiten wurde ein Gymnasium errichtet, so war es möglich, die Franziskaner in gegenreformatorischen Anstrengungen der Diözese Straßburg einzubeziehen. Zunächst auf fünf Klassen beschränkt und in Kooperation mit der städtischen Lateinschule als eine Art Vorschule eingerichtet, kämpfte die Lehranstalt schon 1667 mit Raum- und Besoldungsproblemen. Erst 1673 konnte der Unterricht, nun in sieben Klassen, wieder aufgenommen werden, wurde aber durch die Baufälligkeit des Schulgebäudes und die fast völlige Zerstörung des Klosters durch die Truppen Ludwigs XIV. im Jahre 1689 unterbrochen und erst 1692, nach dem Wiederaufbau des Klosters, konnten die Franziskaner sich wieder der Erziehung der 50 Schüler aus ganz Mittelbaden widmen. Drei Lehrer, die unter der Leitung eines Ordensgeistlichen - des Präfekten - standen, unterrichteten an der Klosterschule Latein Mathematik, Religion, Naturwissenschaften, Erdkunde und Geschichte.
Beim Stadtbrand 1689, verursacht durch die französischen Truppen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges, wurde das alte Kloster fast ganz zerstört. Neben der kleinen gotischen Marienkapelle hat sich lediglich die hölzerne Eingangstür erhalten, die heute im wieder aufgebauten Kreuzgang zu sehen ist. Darauf steht in lateinischer Sprache ein Chronogramm: "Als die Kriegsfackel loderte und das Kloster niedergebrannt wurde, bin ich, ehrwürdig durch das Alter, allein erhalten geblieben und habe tapfer widerstanden".
Der Wiederaufbau auf den Grundmauern des zerstörten Klosters wurde durch die Franziskanerbrüder und Baumeister Eusebius Moosbrugger und Ulrich Beer ab 1692 in Angriff genommen. Zuerst erfolgte die Errichtung des Klostergebäudes und des Kreuzgangs, ab 1702 wurde die Klosterkirche im barocken Stil der Vorarlberger Schule erbaut. Die Chormauer und die spitzbogigen Fenster mit dem gotischen Maßwerk konnten in den Neubau übernommen werden. Die Arbeiten und die künstlerische Ausstattung zogen sich bis 1779 hin. Geweiht wurde die Kirche der Muttergottes, das Patrozinium ist Mariä Himmelfahrt wie es das Hochaltargemälde zeigt. Das Kloster trägt bis zum heutigen Tag den Namen "Kloster Unserer Lieben Frau". Die Kirche war seit ihrem Wiederaufbau 70 Jahre lang geteilt. Der lang gezogene Chor gehörte dem Kloster, das Langhaus war Eigentum der Stadt, bis diese im Jahre 1900 auf die Eigentumsrechte verzichtete.
Als Offenburg 1802 an Baden fiel, drängten die badischen Behörden das Kloster im Zuge der Säkularisation aufzulösen. Die Bestände der Klosterbibliothek wurden teilweise in die Hofbibliothek nach Karlsruhe befördert, der Rest kam ins ehemalige Kapuzinerkloster Die endgültige Auflösung der Klostergemeinschaft erfolgte erst 1814. Der Konvent bestand zu diesem Zeitpunkt aus sechs Priestern und fünf Laienbrüdern. Das Vermögen des Klosters wies den beachtlichen Aktivstand von 120.000 Gulden aus. Anfängliche Pläne im Kloster eine Tabakfabrik einzurichten, wurden nicht realisiert.
Im Juni 1823 zog mit dem "weiblichen Lehr- und Erziehungsinstitut" aus Ottersweier bei Bühl erneut ein Schulbetrieb in das ehemalige Franziskanerkloster ein. Geführt und betreut wurde der Schulbetrieb von dem Orden der Augustiner-Chorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis (Congrégation Notre Dame). Der feierliche Empfang der Schwestern fand am 29. Juni in der Pfarrkirche Heilig Kreuz statt, das "Institut für die weibliche Jugend" wurde am 7. Juli 1823 eröffnet. In den folgenden Jahren folgte ein fast 50 Jahre dauernder Rechtsstreit, in dem es zu Auseinandersetzungen des Klosters mit der Stadt und dem Staat kam. Zunächst nahm man Anstoß an der strengen Klausur der Ordensfrauen. Es folgten Forderungen, neben dem unentgeltlichen Unterricht an der städtischen Mädchenvolksschule zusätzlich an einer höheren Schule zu unterrichten. Seit 1874 konnten sich die Lehrfrauen aber ausschließlich dem Unterricht der über 100 Mädchen in ihrem Institut widmen, dem auch ein Lehrerinnen-Seminar angegliedert war.
1831 wurde das Klostergebäude gründlich saniert, 1843 kam der Neubau eines größeren Schulgebäudes hinzu. Der Gebäudekomplex wurde bis in die 1970er Jahre hinein laufend ausgebaut. Heute beherbergt das ehemalige Franziskanerkloster das Mädchengymnasium, die Mädchenrealschule ist im Kloster Unserer Lieben Frau untergebracht, beide stehen seit 2001 unter der Trägerschaft der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg.
PATRICIA POTRYKUS     
LITERATUR
-<KDB VII> 475f., 496-501.
- O. KÄHNI: Das Kloster Unserer Lieben Frau und dessen Lehr- und Erziehungsinstitut in Offenburg. In: Die Ortenau 46 (1966) 84-128.
- Kloster Unserer Lieben Frau Offenburg. Gedenkschrift zum 150-jährigen Jubiläum 1823-1973. Offenburg 1973.
- H. SCHMID: Die Säkularisation der Klöster in Baden 1802-1811. Überlingen 1980.
- E. HILLENBRAND: Klöster und religiöse Gemeinschaften im mittelalterlichen Offenburg. In: DERS.: "Unser freyheit und alt harkommen". Mittelalter in Offenburg und der Ortenau. Offenburg 1990, 63-81.
- H. BROMMER: Offenburg Kloster Unserer Lieben Frau (Schnell Kunstführer 2234). Regensburg 1997.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 143: Gengenbach, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 165: Mossbachwald
-Generallandesarchiv Karlsruhe 170: Offenburg, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 202: Gengenbach, Stadt und Kloster
-Generallandesarchiv Karlsruhe 216: Offenburg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 228: Zell am Harmersbach, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 30: Gengenbach-Offenburg-Zell
-Generallandesarchiv Karlsruhe 61: Protokolle
-Generallandesarchiv Karlsruhe 62: Rechnungen
-Generallandesarchiv Karlsruhe 65: Handschriften
-Generallandesarchiv Karlsruhe 66: Beraine
-Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 68: Repertorien
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
-Generallandesarchiv Karlsruhe E: Papsturkunden 1198-1302
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