Klöster in Baden-Württemberg
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Zisterzienserinnenkloster Marienau/Breisach - Geschichte

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Die Ursprünge des Klosters Marienau sind nicht eindeutig geklärt. Im Zusammenhang mit der besonderen topographischen Lage am südwestlichen Fuß des Breisacher Eckartsberges und am Aufgang zur "Eckartsburg", einer frühen burgähnlichen Befestigungsanlage, vermutet man um 1200 einen Hof der zähringischen Ministerialenfamilie von Tunsel, der nach dem Ende der Zähringer 1218 einer klösterlichen Gemeinschaft von Beginen oder Inklusen überlassen worden sein könnte. Eine dieser religiösen Frauen war die aus einer elsässischen Adelsfamilie stammende "Berchta", welche nach der Überlieferung 1264 mit ihren Gefährtinnen "von Marien Auwe" nach Freiburg zog und dort das St. Agnes Kloster gründete. Bertha starb nach 1304 und wurde später selig gesprochen.

Die erste gesicherte Nachricht über Marienau besitzen wir aus dem Jahre 1265, als Bischof Heinrich von Basel, der Stadtherr Breisachs, die Aufnahme des Konvents in den Zisterzienserorden beantragte. Diese muss kurz darauf erfolgt sein. Weitere frühe Nennungen finden wir in Urkunden aus den Jahren 1266 bis 1352, wobei auch die Lage des Klosters, "nahe bei" bzw. "außerhalb" der Stadt Breisach, ab 1283 genannt wird.

Nachdem die Anzahl der Klosterfrauen 1283 zunächst beschränkt wurde, was auf anfängliche wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeuten könnte, wuchs das Vermögen des Klosters, so dass Marienau im Spätmittelalter über den größten Grundbesitz in Breisach und darüber hinaus über umfangreiche Besitzungen im Breisgau und vor allem im Elsaß verfügte.

Über das Aussehen der eigentlichen Klosteranlage gibt nur ein Gemälde von 1798 Auskunft, wobei es sich hier wohl um eine Detailkopie eines vor 1525 entstandenen, heute verschollenen Altargemäldes handelt.

Zur Anlage gehörte ein Wirtschaftshof innerhalb der Stadtmauern, am nordwestlichen Fuß des Eckartsberges gelegen. Dieser setzte sich aus zwei ursprünglich getrennten Höfen der einstigen zähringischen Ministerialenfamilien von Hochdorf und von Hochstetten zusammen. Der Erstere kam 1329 durch eine Schenkung der Familie Münzmeister an das Kloster, den Zweiten erwarb Marienau 1343.

Die Lage des Klosters vor den Stadtmauern stellte in gewisser Weise eine doppelte Gefährdung dar: Zum einen genossen die Nonnen nicht den Schutz der Stadtbefestigung, zum anderen konnte das wohl wehrhaft ummauerte Klosterareal als Stützpunkt möglicher Angreifer der Stadtverteidigung gefährlich werden. So plante der burgundische Landvogt Peter von Hagenbach 1473/74 den Abbruch des Klosters. Die Nonnen wurden in eines der in Breisachs Oberstadt vorhandenen "Regelhäuser" transferiert. Doch zum Abriss des Klosters kam es in Folge des Sturzes Hagenbachs 1474 nicht mehr. Auch Kaiser Maximilian I. drängte die Stadt vergeblich, das Kloster aus strategischen Gründen abzureißen.

Unter Einwirkung der Reformation und geschwächt durch verschiedene Prozesse und Streitigkeiten mit weltlichen Instanzen kam es zur inneren Auflösung des Konvents. Bedingt durch die exponierte Lage des Klosters, welches bei der Belagerung durch aufständische Bauern im Bauernkrieg evakuiert und von den Breisacher Bürgern mitverteidigt werden musste, entschloss sich die Stadt als Vogtherrin des Klosters 1525 zum vollständigen Abriss des Gebäudekomplexes und übernahm sämtliche klösterlichen Rechte und Besitzungen. Die Klosterfrauen erhielten eine Leibrente, die letzte Äbtissin, Lucia Storck, heiratete bald darauf.

In den Folgejahren kam es zu Streitigkeiten über die Rechtmäßigkeit der Aufhebung, bis 1537 König Ferdinand schließlich der Stadt die rechtmäßige Vermögensverwaltung Marienaus gestattete, wobei die Einnahmen zum Wiederaufbau und zur Unterhaltung des Spitals und zur Unterstützung der Armen verwendet werden sollten. Pläne zur Wiedererrichtung des Klosters gab es etliche, so 1544 und 1692. Doch erst 1731 etablierte sich mit der Gründung einer Schule durch die Augustiner-Chorfrauen der Congrégation Notre Dame erneut ein Frauenkloster in Breisach.

UWE FAHRER     
LITERATUR
-<KB Freiburg> II/1, 129.
- <KDB VI/1> 73f.
- L. HEIZMANN: Die Klöster und Kongregationen der Erzdiözese Freiburg in Vergangenheit und Gegenwart. München 1930.
- G. HASELIER: Geschichte der Stadt Breisach am Rhein. 1. Halbbd. Breisach 1969.
- DERS.: Zur Geschichte des Klosters Marienau. In: <ZGO> 125, NF 86 (1977) 73-95.
- B. SCHWINEKÖPER: Klosteraufhebungen als Folge von Reformation und Bauernkrieg im Habsburgischen Vorderösterreich (Zisterzienserinnenkloster Marienau, Augustiner-und Franziskanerklöster zu Breisach 1525/26 ff.). In: Schau-ins-Land 97 (1978) 61-78.
- DERS.: Die Lage und Entstehung des Zisterzienserinnenklosters Marienau und die "Ministerialensiedlung" am Eckartsberg in Breisach. In: Schau-ins-Land 99 (1980) 5-44.
- DERS.: Ein unbekanntes Bild der Kirche des Zisterzienserinnenklosters Marienau in Breisach? In: Schau-ins-Land 106 (1987) 277-290.
- U. FAHRER: Breisachs Tore und Türme. Teil 27: Das Zisterzienserinnenkloster Marienau. In: Hauszeitung der Stadt-Apotheke Breisach. O. O. Februar 1997.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 196: Breisach, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
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