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Jesuitenkolleg Konstanz - Geschichte

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Bei der Diözesansynode von 1567 brachte Bischof Mark Sittich von Hohenems als einen der wichtigsten Tagesordnungspunkte die Schaffung eines vom Tridentiner Konzil geforderten Diözesanseminars für die Priesterausbildung unter Leitung von Jesuiten ein. Der Plan scheiterte an der fehlenden Finanzierung. Der Amtsnachfolger im Bischofsamt 1589-1600, Andreas von Österreich, verfolgte diese Absicht mit mehr Energie und berief 1592 gegen alle Widerstände der Stadt und zunächst der österreichischen Verwaltung zwei Jesuiten nach Konstanz, da eine gründliche Reform des Klerus dringend nötig und die Jesuiten am besten qualifiziert seien. Aber erst 1604 kam eine Einigung zwischen Stadt, Landesherrschaft, Bischof und Orden zustande, die den Beginn des Schulbetriebs des Gymnasiums und der nötigen Baumaßnahmen ermöglichte. Bis1609 waren die Bauten des Gymnasiums, des Kollegs und der Kollegienkirche St. Konrad im Umfeld des Münsters vollendet. Im Kolleg wirkten meist 20-25 Jesuiten, davon 10-16 Patres. Einige der Patres weilten in den sogenannten "Residenzen" Lindau (1628-49), Rottenburg (1649-68), Feldkirch (1650-1680), Rottweil (1652-78), Arbon (Mitte des 17. Jhs.) und Tettnang (um 1699).

Das eigentliche Ziel der Bischöfe, die Errichtung eines Priesterseminars unter Leitung der Jesuiten, wurde nicht erreicht. Es blieb bei einem fünfjährigen Gymnasium mit den "studia inferiora", zu denen zusätzlich als "studia superiora" schon ab 1604 Moraltheologie, ab 1648 Philosophie, ab 1661 Kontroverstheologie, ab 1722 Kirchenrecht als Studienfächer belegt werden konnten, weshalb 1720 die Schule zu einem förmlichen Lyceum erhoben wurde. Mit diesem Angebot eines theologischen Grundstudiums bildete die Konstanzer Jesuitenschule für den deutschen Teil der Diözese fortan das "Rückgrat der Klerikerausbildung" (P. Schmidt). 400-500 Schüler besuchten im 17. Jh. durchschnittlich das Gymnasium, im 18. Jh. ging ihre Zahl auf ca. 250-300 zurück. Jeweils zu Ende des Schuljahres führten die Schüler in der Aula des Gymnasiums Dramen auf, im 18. Jh. auch Opern und Komödien zur Fasnacht, die von gebildeten Stadtbürgern, Geistlichen und Adel im weiten Umkreis gerne besucht wurden.

1663 übernahmen die Jesuiten auch die Aufsicht über die städtische Lateinschule. Als 1685-98 die Universität Freiburg nach Konstanz vor den Franzosen ausweichen musste, unterrichteten sieben Jesuitenpatres als Professoren die etwa 100 Studenten neben sechs weltlichen Professoren gegen deren Widerstände und Ansprüche der Konstanzer Dominikaner. Eine Reihe von Patres sind durch wissenschaftliche Publikationen hervorgetreten, u. a. P. Andreas Arzet (1604-75) mit einer handschriftlichen Familien- und Herrschaftsgeschichte der Grafen von Montfort.

Gerufen u. a. auch zur "Ausrottung der Häresie" in Konstanz übernahmen die Patres auch vielfältige Aufgaben in der Seelsorge. Sie stellten den Domprediger und den Beichtvater der Bischöfe. Sie gründeten in Konstanz vier Marianische Congregationen für Geistliche und "Herren", für Studenten, Bürger und Gesellen, sowie 1749 eine Bruderschaft vom Guten Tod. Sie predigten in vielen Kirchen der Umgebung, nahmen Beichten ab, boten Katechesen an, führten Volksmissionen durch. In den Pestepidemien des 17. Jhs. taten sie sich in der Pflege der Kranken hervor.

Für die Gründungsausstattung sorgten Bischof, Domkapitel, die oberschwäbischen Prälatenklöster und die Hegauer Reichsritter mit namhaften Beträgen. Auch im weiteren 17. Jh. konnte das Kolleg immer wieder beträchtliche Stiftungen verbuchen. Eine letzte große Spende des Hegauer Adels war allerdings mit der Forderung nach eigenen Schulbänken für die adligen Schüler verbunden. Das Kolleg besaß eine Reihe von Liegenschaften, u. a. einzelne Höfe in der Umgebung, etliche Weinberge, vor allem das Landgut Agerstenbach südlich des Untersees, wo die Professoren die Ferien verbringen konnten und seit 1660 die der Reichsritterschaft inkorporierte kleine Herrschaft Linz im Linzgau. Im 18. Jh. bezogen die Patres Brutto-Einnahmen in Höhe von ca. 18.000 Gulden.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wirkten weiterhin sechs Exjesuiten am Gymnasium als Lehrer, 1793 übernahmen Benediktiner die Lehre. Heute sieht sich das Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz in der Tradition des Jesuiten-Gymnasiums. Dort befindet sich auch die ehemalige Jesuiten-Bibliothek, die bei der Aufhebung 11.500 Bände umfasste. Die ehemalige Jesuitenkirche ist heute die altkatholische Christuskirche, im ehemaligen Gymnasiumsbau mit seinem Theatersaal befindet sich heute das Stadttheater, im Kollegiengebäude sind heute das Staatliche Amt Vermögen und Bau, die Münsterbauhütte und das Jobcenter des Landkreises untergebracht.

ELMAR L. KUHN     
LITERATUR
-K. GRÖBER: Geschichte des Jesuitenkollegs und -Gymnasiums in Konstanz. Konstanz 1904.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 209: Konstanz, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 61: Protokolle
-Generallandesarchiv Karlsruhe 66: Beraine
-Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 82: Konstanz Generalia (Hochstift)
-Generallandesarchiv Karlsruhe 9: Tengen-Linz-Lupfen
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
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