Klöster in Baden-Württemberg
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Dominikanerinnenkloster Reutin - Geschichte

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Das Kloster ist um 1250 wahrscheinlich als eine Frauensammlung aus freier Wurzel entstanden, welche sich auf einer, wie der Name besagt, aufgerodeten Uferterrasse der Nagold unfern von Wildberg niederließ. Das der Pfarrkirche Oberjettingen gehörige Areal überließ Graf Burkhard III. von Hohenberg als deren Patron am 25. Juni 1252 tauschweise den Schwestern. Dies ist die erste Nennung. 1278/81 wird als älteres Patrozinium Nikolaus genannt.

Sowohl in einer bischöflichen Urkunde von 1296 als auch in der späteren Klostertradition wird Graf Burkhard IV. (+ 1318) als Fundator bezeichnet. Dies ist berechtigt, weil es den "wahren" Begründer meint, haben doch er und seine Gemahlin Luitgard von Tübingen den Konvent in großzügiger Weise materiell gefördert. Glaubhaft scheint insbesondere die Nachricht, dass 1284 das Kloster erbaut worden sei, was Neubau oder namhafte Erweiterung meint. Das Motiv war seine Bestimmung als Hohenberger Hauskloster und Grablege, und in diesen Zusammenhang sind auch die Annahme der Dominikanerregel - 1285 noch Augustiner-, ab 1288 regulär Predigerordensregel - sowie das Marienpatrozinium zu setzen. Die Vogtei ging von den Hohenbergern auf die jeweiligen Inhaber der Herrschaft Wildberg über, also 1368 an die Pfalzgrafen bei Rhein und 1440 an die Grafen von Württemberg.

Maria-Reutin nahm in der Folge einen beachtlichen Aufschwung. Der von Priorinnen geleitete Konvent war nunmehr ständisch abgeschottet; unter den etwa 240 bekannten Nonnen finden sich Mitglieder des Hauses Hohenberg, dazu waren Angehörige des regionalen Niederadels und insbesondere Töchter aus den ehrbaren Geschlechtern der benachbarten Städte bis hin nach Rottenburg vertreten. Schon im 14. Jh. zeichnete sich ab, dass die Mitgiften der Nonnen als Privatvermögen gelten und gleichsam als Pfründen ausgehandelt werden konnten, wie denn die persönliche Geschäftsfähigkeit derselben, allerdings letztendlich zum Nutzen der Institution, durchweg belegt ist.

Dieses an der Ordensregel vorbeigehende Verfahren mag dazu beigetragen haben, dass Maria-Reutin, besitzgeschichtlich betrachtet, gut gestellt war. Die auf die Hohenberger zurückgehende Basis, so insbesondere die Grundherrschaft über das Dorf Oberjettingen, welche freilich in dieser geschlossenen Form die einzige blieb, konnte durch zahlreiche Landgüter in Streulage und andere Bezugstitel ergänzt werden. Insgesamt deckte sich der Einzugsbereich etwa von Schenkungen, Käufen und Anniversarstiftungen topographisch mit den Besitzungen der ihre Töchter ausstattenden Familien. Dabei ist allerdings unverkennbar eine kluge Arrondierung möglichst mit Schwerpunkten in der Nähe des Klosters.

Zum geistlichen Leben ist außer der Pflege des Seelengedenkens wenig überliefert (vgl. Gebetbuch). Die Betreuung des Konvents oblag Kaplänen, welche nicht zwingend Dominikaner sein mussten. Die Nonnen weigerten sich nach 1535, das reformatorische Bekenntnis anzunehmen. Ein Vergleich von 1559 ermöglichte einen langgezogenen Profanierungsprozess bis nach 1575. Kirche und Hauptgebäude wurden 1824 durch Brand zerstört.

ROMAN JANSSEN     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 394f. (R. JANSSEN).
- <KDW II> OA Nagold, 173.
- F. GAND: Maria-Reuthin. Dominikanerinnenkloster und Hohenberger Grablege (Göppinger Akademische Beiträge 82). Göppingen 1973.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 517: Reutin
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 102/64: Geistliche Lagerbücher: Kloster Reutin
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