Klöster in Baden-Württemberg
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Zisterzienserinnenabtei Seligental - Geschichte

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Am 25. November 1236 stiftete der Edelherr Konrad von Dürn zusammen mit seiner Gemahlin Mechthild von Laufen ihren Besitz unterhalb von Schlierstadt zur Gründung eines Klosters an der Seckach, in dem die Nonnen nach den Regeln des hl. Benedikt leben sollten. Dass die Stifter, die sich hier auch bestatten ließen, dabei an ein Zisterzienserinnenkloster dachten, ist aus der Anwesenheit des Mönches Berengar von Bronnbach, dessen Abtei die Paternität ausüben sollte, und der Juta, Äbtissin der Zisterze Heiligenthal, zu schließen, die offenbar den Gründungskonvent entsandte. Drei Jahre später bestätigte Hermann von Lobdeburg, Bischof von Würzburg, die Gründung, der er den Namen "Vallis Felix" (später "Vallis Beatorum") gab, indem er von Nonnen sprach, die der Regel des hl. Benedikt nach den Gewohnheiten der Zisterzienser folgten. Dieselbe Formulierung wählte Papst Gregor IX., der 1239 ebenfalls den Besitz des Frauenklosters bestätigte. Da jedoch weder ein großes Ordensprivileg des Papstes noch ein Inkorporationsstatut des Generalkapitels, in dessen Statuten Seligental durchaus auftaucht, überliefert ist, wurde die Abtei bisher nicht zu den "pleno-iure" dem Zisterzienserorden inkorporierten Frauenklöstern gezählt. Neuere Forschungen konnten aber erweisen, dass dies nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Von Anbeginn an wurde die Seligentaler Klostervorsteherin als Äbtissin bezeichnet und bereits 1254 war die Ämterhierarchie in Seligental voll ausgebildet, wo neben der Äbtissin Irmingard von Bödigheim, die Priorin Juta von Möckmühl, die Kämmerin Lutgardis von Heppenheim, die Kellermeisterin Richardis und die Küsterin Gertrud belegt sind. Schon im 13. Jh. liegen zahlreiche Hinweise auf die Ausübung der "cura monialium" durch den Abt und weitere Amtsträger der Zisterze Bronnbach vor, die 1510 die Paternität an Kloster Schöntal abtrat. Bis zur Mitte des 15. Jh. hatte Seligental, das als "Hauskloster" der reich begüterten Edelherren von Dürn von Anfang an eine besondere Förderung erfuhr, einen stetigen Besitzzuwachs zu verzeichnen, zu dem u. a. die Herren von Hohenlohe wesentlich beitrugen. Der Besitz an Gütern und Rechten, der sich auf 40 Orte verteilte, konzentrierte sich auf die unmittelbare Umgebung des Klosters, das bereits im 13. Jh. die Ortsherrschaft in Zimmern, Schlierstadt, Hemsbach und Seckach erwerben konnte. Der Besitz streute von Mosbach im Westen bis an die Tauber im Osten, vom Kocher im Süden bis an den Main im Norden. Hinzukamen Gerichts- und Zehntrechte in zahlreichen Orten sowie Kirchenpatronate, wie z. B. seit 1254 in Schlierstadt.

1278 wurde in Seligental ein Altar zu Ehren des hl. Kreuzes geweiht und das Kloster mit Reliquien der 11.000 Jungfrauen ausgestattet. Die Quellen für das geistige Leben in Seligental fehlen heute weitgehend. Immerhin ist ein Diurnale aus dem 16. Jh. (Stuttgart, Cod. Brev. 130) überliefert, in dem sich als Schreiberin eine Agnes Schelmen zu erkennen gibt. Sie entstammte offenbar derselben Familie wie die letzte Seligentaler Äbtissin Amalia Schelm von Bergen, bei deren Tod 1561 nur noch zwei Schwestern im Kloster lebten, das der Erzbischof von Mainz 1568 aufhob. Überfälle im Bauernkrieg und der Übertritt zahlreicher adliger Familien der Umgebung, die bisher den Nachwuchs im Konvent gestellt hatten, zur Reformation hatten zum Niedergang der Zisterze beigetragen. Das Klostergut, zunächst den Jesuiten in Mainz zugedacht, fiel an die Mainzer Hofkammer. Versuche der Äbte von Ebrach und Salem, den Konvent 1613 wiederzubeleben, scheiterten am Widerstand des Mainzer Erzbischofs. 1803 kam Seligental im Zuge der Säkularisation an die Grafen von Leiningen, die dort eine Domäne einrichteten, die sich seit 1934 in Privatbesitz befindet. Durch die landwirtschaftliche Nutzung verfielen die Konventsgebäude zusehends. Die Kirche, die als Schafstall und Scheune diente, brannte 1928 ab. Ihr frühgotisches Eingangsportal findet noch heute als Gartentor Verwendung. Allein die Sakristei, die noch bis 1848 als Kapelle genutzt wurde, ist in ihren ursprünglichen Ausmaßen mit Kreuzrippengewölbe, mit Freskenresten und einem Fenster in romanischen Formen erkennbar.

MARIA M. RÜCKERT     
LITERATUR
-<KB Neckar-Odenwald-Kreis> II, 452-454.
- <KDB IV/3> 198-201.
- E. WEISS: Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Seligental bei Osterburken. In: Die Zisterzienser im baden-württembergischen Franken. Schwäbisch Hall 1990, 85-104.
- M. RÜCKERT: Zur Inkorporation südwestdeutscher Frauenklöster in den Zisterzienserorden - Untersuchungen zu Zisterzen der Maulbronner Filiation im 12. und 13. Jahrhundert. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 111 (2000) 381-410.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 98: Salem
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