Klöster in Baden-Württemberg
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Dominikanerkloster Esslingen - Geschichte

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Abbildung  Button Schlusstein im Mittelschiff der ehemaligen Dominikanerkirche, heute Münster St. Paul.
Wohl vom 1224 eingerichteten Stützpunkt Straßburg kamen die Dominikaner vor 1233 nach Esslingen, als sie ein innerhalb des Mauerrings gelegenes Gelände bezogen. 1241 wird erstmals ein Prior genannt, 1248 ein Lektor. Reiche Stiftungen von Seiten des Niederadels und des Patriziats legten den Grundstein für eine gute Ökonomie. Bereits um 1300 verfügte das Kloster über eine stattliche Anlage - auch als Tagungsort von Rat und Gericht genutzt (14. Jh.) - mit Kreuzgang und Klosterhof ("Schwörhof"). Ende des 15. Jh. fungierten die Dominikaner als Gläubiger der Stadt Esslingen. Termineien besaß der Konvent in Marbach und Reutlingen. Das zur oberdeutschen Ordensprovinz gehörige Kloster beherbergte zwischen 1261 und 1475 acht Provinzialkapitel und stellte mit Konrad Gurli (erstmals 1277) und Heinrich von Grüningen (ab 1310) zwei Provinziale.

Größten Wert legten die Esslinger Dominikaner auf die Predigt und die Pflege der Wissenschaft. Ende des 13. Jh. wurde ein Studium eingerichtet; den bis zu zehn Studenten standen ein Lektor, ein Sententiarius sowie ein Magister studentium vor. 1279 wird ein Arzt unter den Konventualen erwähnt. Thomas Mantz (1438/39), bekannt als Verfasser von Predigttexten, und der Augsburger Weihbischof Johannes Haiterbach (+ 1447) entstammten dem Esslinger Kloster. Die enge Verbindung zu dem Esslinger Frühdrucker Konrad Fyner (u. a. Druck von Werken des Esslinger Dominikaners und Hebräisten Petrus Nigri) nahm eine besondere Bedeutung ein.

Die Dominikanerinnen in Weil, Sirnau, Kirchheim/Teck, Steinheim/Murr und wohl auch in Gotteszell und Gnadenzell waren den Esslinger Dominikanern unterstellt. 1311 errichteten die Esslinger Dominikaner eine Gebetsbruderschaft mit dem Predigerkloster Pforzheim und 1519 mit dem Dominikanerinnenkloster Reutin.

1475-1477 wurde der Esslinger Konvent auf Bitten der Stadt reformiert. 1531 erfolgte die Aufhebung des Klosters, Teile des Konvents flohen 1532 nach Württemberg. Nach kurzzeitiger Rückkehr (1551) traten die Dominikaner das Kloster 1555/64 an das Spital ab.

Die Klosterkirche St. Paul, nach 1233 als dreischiffige gewölbte Basilika mit Lettner und polygonalem Kurzchor in einem Guss errichtet, gilt als eines der frühesten Beispiele einer Bettelordenskirche in Deutschland. Die mit sechs Altären ausgestattete Kirche wurde 1268 durch Albertus Magnus konsekriert. Ab 1285 wurde das Kloster mit Zustimmung König Rudolfs von Habsburg erweitert. Die 1664 renovierte "Neue Kirche" wurde nach zwischenzeitlicher Nutzung als Magazin durch die Stadt an die katholische Kirchengemeinde verkauft (1860) und dient bis heute als deren Pfarrkirche. Der weitgehend erhaltene Konventstrakt diente u. a. als Waisenhaus, Unterkunft für die Spitalinsassen sowie zum Teil bis heute als Seminar, Schule und Kindergarten.

JOACHIM J. HALBEKANN     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 234f. (J. J. HALBEKAMM).
- <KB Esslingen> I, 462.
- <KDW I> OA Esslingen, 195f.
- R. UHLAND: Die Esslinger Klöster im Mittelalter. In: Esslinger Studien 8 (1961) 7-42, hier 8-13.
- 700 Jahre St.-Paulskirche Esslingen. Festschrift zum 700jährigen Weihejubiläum der St. Paulskirche. Hrsg. v. der Kath. Kirchengemeinde St. Paul Esslingen. Esslingen 2. erw. Aufl. 1989.
- K.FAST (Hg.): Zwischen Himmel und Erde. Klöster und Pfleghöfe in Esslingen : eine Ausstellung der Städtischen Museen und des Stadtarchivs Esslingen am Neckar in der Franziskanerkirche Esslingen, 27. September 2009 bis 31. Januar 2010. Begleitpublikation im Namen der Stadt Esslingen am Neckar. Petersberg 2009.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 116: Lagerbücher fremder Herrschaften über Rechte in württembergischen Orten
-Staatsarchiv Ludwigsburg B 172: Esslingen, Reichsstadt: Predigerkloster
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