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Jesuitenkolleg Mannheim - Geschichte

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Abbildung  Button Blick über das Rheinufer auf die Jesuitenkirche, Stich von L. Schnell, nach 1828.
Pfalzgraf Philipp Ludwig (1569-1614), der Begründer der Neuburger Linie, war noch als "Erzlutheraner" bekannt. Dessen Sohn Wolfgang Wilhelm (1614-1653) war jedoch 1613 zum katholischen Glauben übergetreten und begann mit Hilfe der Jesuiten eine katholische Restauration am Niederrhein. 1685 trat das Haus Pfalz-Neuburg die Herrschaft in der Kurpfalz an. Als 1720 der Hof von Heidelberg nach Mannheim verlegt wurde, folgten drei Jesuiten dorthin (P. Nikolaus Staudacher, der Beichtvater des Kurfürsten und seiner Tochter, P. Franz Pfiffer als Hofkaplan und P. Joseph Lofferer). Zunächst ließen sich die Jesuiten unmittelbar neben dem Haus des Kurfürsten nieder und Staudacher brachte dem Kurfürst die Idee einer Kollegsgründung nahe. Dieser gab ihnen in einer Schenkungsurkunde vom 26. Mai 1727 einen kostenlosen Baugrund für Kirche und Kolleg. 1734 war der Bau des Kollegs fertig, 1737 kam noch der Neubau des Gymnasiums dazu. 1738 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Die Kirche St. Ignatius und St. Franz Xaver hatte in Mannheim offiziell die Funktion einer Hofkirche hinzugewonnen. Dementsprechend musste sie geräumig und repräsentativ sein. Sie konnte nach den aufwändigen Bauarbeiten erst 1760 eingeweiht werden.

In den 53 Jahren ihrer Anwesenheit in Mannheim, wirkten dort etwa 200 Jesuiten. Die Höchstzahl des Konventes belief sich auf 25 Mitglieder. Die Jesuiten haben in Mannheim in der Kurfürstenzeit bei Hof, im Gymnasium und in der Seelsorge der vorwiegend calvinistisch geprägten Stadt - die Katholiken machten etwa ein Drittel der Bevölkerung aus - nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Sie waren von der Schule bis zum Richtplatz in allen seelsorglichen Bereichen präsent. Einen hohen Stellenwert im Seelsorgekonzept nahm schon früh die Wallfahrt zur Loretokapelle nach Oggersheim ein. Diese wurde 1733 eröffnet. Ihr Begründer war P. Matthäus Vogel.

Eine herausgehobene Rolle in Mannheim spielten die Hofbeichtväter und Hofprediger. P. Staudacher war Beichtvater von Karl Philipp, seine Nachfolge übernahm bis zum Tod des Kurfürsten 1742 P. Franz Seedorff. Er war auch Erzieher des Kurprinzen Karl Theodor, aus der 1656 wieder zum Katholizismus zurückgekehrten Sulzbacher Linie. Nachdem Seedorff 1756 gestorben war, hatte der Kurfürst jedoch keine Jesuiten mehr als Beichtvater und Berater.

Für das naturwissenschaftliche Interesse der Jesuiten steht besonders der Mathematiker, Hofastronom und Landvermesser P. Christian Mayer (1720-1783). Von der 1763 in Mannheim gegründeten und von der Aufklärung beeinflussten Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften wurde Mayer jedoch wegen seiner Zugehörigkeit zu den Jesuiten ausgegrenzt. Als einer der bedeutendsten Jesuiten in Mannheim gilt P. François Desbillons, den Kurfürst Karl Theodor nach Mannheim holte, als der Orden in Frankreich 1764 vernichtet worden war. Er brachte seine umfangreiche Bibliothek mit, die als Desbillonssche Bibliothek heute einen integralen Bestandteil der Universitätsbibliothek und die größte Sammlung der zeitgenössischen französischen Literatur des 18. Jh. außerhalb Frankreichs darstellt.

Die Aufhebung der Jesuiten warf ihre Schatten voraus. In Mannheim hatten die Jesuiten schon in den Jahren 1758, 1759 und 1761 die Briefe des Ordensgenerals Ricci erhalten, in denen dieser zum Gebet in der bedrohlichen Lage des Ordens aufforderte. Nach einer Verfolgungswelle in Europa hob Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu schließlich am 16. August 1773 auf. In Mannheim wurde daraufhin am 6. September 1773 die Kommunität durch den kurfürstlichen Kommissär aufgelöst. Die Jesuiten mussten ihr Ordenskleid ablegen und wurden während der Nacht in benachbarte Klöster gebracht, da man eine Parteinahme der Bevölkerung befürchtete. Der Erzbischof und Kurfürst von Mainz setzte eine Kommission ein, die sich mit den Mannheimer Behörden in Verbindung setzen sollte, um die Aufhebung des Ordens amtlich zu vollziehen. Teilweise wurde den Mannheimer Jesuiten erlaubt, ihr Wirken in Kirche und Schule noch fortzusetzen. Die Brüder wurden in ihre Berufe entlassen. Das Vermögen fiel der Staatskasse anheim.

Seit 1947 gibt es wieder Jesuiten in Mannheim. Mit dem "Franz-Xaver-Haus"(Seelsorge und Beratung) in Mannheim und dem "Heinrich Pesch Haus" (Bildungszentrum) in Ludwigshafen haben die Jesuiten wieder kurpfälzische Niederlassungen, welche die beiden Felder heutiger Arbeit des Jesuitenordens repräsentieren. Die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Mannheimer Jesuitenkirche wurde nach dem Krieg durch engagierte Bürger wieder aufgebaut und gilt heute als eine der schönsten Barockkirchen Südwestdeutschlands.

NICOLE PRIESCHING     
LITERATUR
-<KB Heidelberg-Mannheim> III, 70f.
- K. WEICH SJ: Das Neue Jerusalem. Die Jesuiten in Mannheim 1720-1773. Mannheim 1997.
- R. LEGLER: Das Wunder von Mannheim. Festschrift zur Altarweihe der Jesuitenkirche Mannheim. Lindenberg 1997.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 210: Ladenburg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 213: Mannheim, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 77: Pfalz Generalia
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