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Lazaristenniederlassung Heidelberg - Geschichte

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Nach der päpstlichen Aufhebung des Jesuitenordens 1773 ließ Kurfürst Karl Theodor dessen Mitglieder als Weltgeistliche weiterhin ihre Aufgaben in der Bildungs-, Erziehungs- und Seelsorgearbeit in der Kurpfalz wahrnehmen. Die auftretenden, altersbedingten Lücken in ihren Reihen musste Karl Theodor ab 1781/82 durch die Berufung französischer Lazaristen (Congregatio Missionis, CM) schließen. Die Kongregation war ihm von seinem Oberbibliothekar Abbé Nicolas Maillot de la Treille sowie dem in Mannheim lebenden Ex-Jesuiten und Gelehrten Pater François-Joseph Terrasse Desbillons empfohlen worden.

Der Kurfürst setzte die Lazaristen als Rechtsnachfolger der Jesuiten in deren Güter in Mannheim, Heidelberg, Neustadt an der Weinstraße und Nieder-Ingelheim ein. In Heidelberg erhielten die Lazaristen somit das Jesuitenkolleg und das Seminarium Carolinum (Karlsches Konvikt). Als wirtschaftliche Grundlage waren mit dem Heidelberger Kollegium der Schwabenheimer Hof bei Ladenburg, das Stift Neuburg bei Heidelberg sowie 27 weitere Güter verbunden. Allerdings waren alle im kurpfälzischen Jesuitenfonds zusammengefassten Besitzungen mit Schulden, Pensionen und Gehältern für Ex-Jesuiten sowie zweckfremden Kapitalentnahmen belastet. Die Lazaristen mussten viele Jahre für eine Entlastung und Neuordnung ihrer Einkünfte kämpfen.

Mit der Übernahme des Seminarium Carolinum durch die Lazaristen 1782 setzten diese Reformen im Schulwesen durch: Es wurden nur noch Knaben aufgenommen, die eine Trivialschule besucht hatten und eine Aufnahmeprüfung bestanden. Des Weiteren wurde Schulkleidung eingeführt. Die Ausbildung ging in fünf Jahrgangsstufen vor sich; für den Unterricht standen neun ordentliche und fünf Nachlehrer zur Verfügung. Im gleichen Konvikt lebten auch die Studenten der Philosophie mit einer modifizierten Haus- und Studienordnung. Die Lazaristen selbst hatten ihren Sitz im ehemaligen Jesuitenkolleg. Zuletzt, um 1793, mussten sie ins Seminarium Carolinum umziehen, da das Jesuitenkolleg als Lazarett belegt war.

An der Heidelberger Universität übernahmen die Lazaristen nach kurfürstlichem Willen frei werdende theologische und philosophische Lehrstühle bzw. hatten für deren Besetzung das Vorschlagsrecht. Infolge der Französischen Revolution brach der Orden 1790 in seiner Heimat zusammen. Das "Erlöschen " der Lazaristen in der Kurpfalz erfolgte als schleichender Prozess zwischen Dezember 1793 (Tod des Superiors Pater Pierre Antoine Saligot) und Mitte 1796. Eine offizielle Aufhebung der Kongregation durch den Kurfürsten liegt nicht vor.

Aufgrund der anonymen, 1793 veröffentlichten Schmähschrift "Die französischen Pädagogen in Deutschland oder die Geschichte des Lazarismus in der Pfalz " erschien die Arbeit der Lazaristen in der Kurpfalz bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein in einem ungünstigen Licht.

Im ehemaligen Seminarium Carolinum ist heute die Verwaltung der Universität Heidelberg untergebracht.

MARKUS A. MAESEL     
LITERATUR
-<KDB VIII/2> 128-222 (Jesuitenkolleg) <KDB VIII/2>, 2 232-233 (Carolinum)
- [Johann Peter Arnold MATHY]: Die französischen Pädagogen in Deutschland oder die Geschichte des Lazarismus in der Pfalz. Bethania. Im Verlag des heiligen Lazarus [tatsächlich: Leipzig] 1793.
- A. HAAS: Die Lazaristen in der Kurpfalz. Beiträge zu ihrer Geschichte. Speyer 1960.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 204: Heidelberg, Stadt
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