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Augustinerkloster Heidelberg - Geschichte

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Eine erste Erwähnung des Klosters stammt aus dem Jahre 1279 und lässt auf ein früheres Gründungsdatum schließen. Ein Patrozinium ist nicht bekannt. Das Kloster gehörte zur deutschen Provinz, nach deren Teilung zur rheinisch-schwäbischen. Es gab keine herrschaftliche Abhängigkeit, jedoch standen die Augustiner in der Gunst der Pfalzgrafen, die sich auch in landesherrlicher Einflussnahme äußern konnte. Die Mönche stammten aus dem Bürgertum. In einer Urkunde von 1300 des Pfalzgrafen Rudolf I. ist von neun Morgen Weinwuchs in Rorbach die Rede, 1551 von Klostergütern in der Schrießheimer Gemarkung, die sie "vor langen jarenn [...] umb zwo edler frawen erkaufft" hatten.

Hieronymus von Prag, Freund des Jan Hus, disputierte 1406 im Augustinerkloster. 1450 ließ Kurfürst Friedrich I. der Siegreiche ebenfalls im dortigen Kloster die Universitätsreform verkünden. Auf Bitten Friedrichs I. befahl 1459 Papst Pius II., das Kloster zu reformieren, was Papst Paul II. 1464 wiederholte. Sixtus IV. vereinigte den Konvent mit der sächsischen Reformkongregation. Im Auftrag des Landesherrn vollzog deren Vikar Andreas Proles die Reform. Auf den 25. April 1518 schrieb der Vikar Johann von Staupitz das Kapitel der Kongregation nach Heidelberg aus. Martin Luther nahm als Distriktsvikar teil und leitete am 26. April die übliche Disputation.

Noch 1523, als die Kongregation sich unter dem Einfluss ihres Mitglieds Martin Luther auflöste, nahm ein Abgesandter des Konvents, Georg Doliatoris, an einer Zusammenkunft der dem alten Glauben treu gebliebenen Klöster in Leipzig teil.

Das Kloster war 1518 in schlechtem baulichen Zustand. Zwar gab 1526 der Kurfürst dem Konvent eine Klosterordnung, aber 1547 legte der Prior sein Amt nieder, nachdem sich der Konvent aufgelöst hatte, und überließ die Gebäude der Universität gegen eine Rente. Kurfürst Friedrich II. bat Papst Julius III., die verödeten Klöster in der Pfalz für die Universität verwenden zu dürfen. Der Papst willfahrte 1550 und Friedrich gebrauchte das Augustinerkloster als "domus sapientiae" für die Aufnahme von 60-80 armen Studenten. Auch die Klostergüter in der Schrießheimer Gemarkung gingen in den Besitz des Sapienzhauses über. Die Kirche wurde zum Auditorium theologicum und "der französischen Gemein zum Predigen eingeraumbt". Nach der Zerstörung Heidelbergs 1693 durch französische Truppen unter Mélac wurde der Kreuzgang durch zahlreiche Lehmmauern in kleine Räume zerlegt und die durch den Brand wohnungslos gewordenen Stadtbewohner im Kloster untergebracht. Die noch bestehenden Ruinen des Klosters und des Sapienzkollegs wurden zu Beginn des 18 Jh. bis auf eine Höhe von 1,70 abgetragen, die Räume aufgefüllt und der Platz eingeebnet. An der Stelle des Klosters entstand 1705 ein Paradeplatz, der jetzige Universitätsplatz bzw. frühere Ludwigsplatz.

Was die kulturell-religiöse Bedeutung des Konventes anbelangt, so gab es im Kloster ein studium provinciale der Philosophie, was einem Beschluss des 1456 in Landau gefeierten Provinzkapitels zu entnehmen ist. Magister Petrus von Gauda lehrte 1440 an der Universität wie auch 1456 Petrus von Friedberg, der wohl auch Prior war. Mit dem Beitritt des Konvents zur Reformkongregation mehrten sich die Augustiner, die an der Universität studierten oder lehrten. 1476 erlaubte die Universität den Augustinern, in ihrem Kloster theologische Vorlesungen zu halten und zu disputieren. Im Jahre 1510 stritten sich Augustiner und Dominikaner um das Recht, am Fest des hl. Sebastian einen Umgang zu veranstalten. Der Kurfürst entschied zu Gunsten der Dominikaner. Die Augustiner sollten sich mit dem Umgang zu Ehren des hl. Valentin am 14. Februar begnügen.

Die Augustiner hatten bereits im 13. Jh. eine einschiffige Kirche auf dem heutigen Universitätsplatz errichtet, an die sich südlich das Kloster anschloss. Der Chor mit dreiseitigem Abschluss war vom Schiff durch einen Lettner getrennt. Im letzten Drittel des 15. Jh. wurden die Längsseiten des Schiffes entfernt und auf Säulen ruhende Seitenschiffe angefügt. Nach der Besitzergreifung durch die Universität trennte man Chor und Schiff durch eine Mauer. An der mittleren Wand des Chores wurde eine Aufmauerung für die Lehrkanzel entdeckt. Der vermutlich Ende des 15. Jh. entstandene Kreuzgang war nach der Merianansicht zweistöckig. Durch einen breiten Gang war er mit der Kirche verbunden. Ebenfalls bei Merian ist auf der Südseite ein Renaissancebau zu sehen, der wohl von Friedrich III. für das Sapienzhaus errichtet worden ist.

MICHAEL K. WERNICKE     
LITERATUR
-<KB Heidelberg-Mannheim> II, 44-46, 48.
- <KDB VIII/2> 114f. u. 345-355.
- A. HÖHN: Chronologia Provinciae Rheno-Svevicae Ordins FF. Eremitarum S.P.Augustini. Würzburg 1744.
- R. SILLIB: Zur Geschichte des Augustinerklosters in Heidelberg. In: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz. Bd. IV. Heidelberg 1899, 4ff. u. Bd. XII, Heidelberg 1920, 188-190.
- A. KUNZELMANN: Geschichte der deutschen Augustiner-Eremiten. 1., 2. u. 5. Teil. Würzburg 1969, 1970 u. 1974.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 204: Heidelberg, Stadt
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