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Jesuitenkolleg Freiburg - Geschichte

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Abbildung  Button Blick auf die Universitätskirche, frühere Jesuitenkirche, um 1960.
Erste Versuche, schon um 1570 den Orden in Freiburg anzusiedeln, scheiterten. 1620 wurden den Jesuiten schließlich auf Initiative von Erzherzog Leopold gegen den Widerstand der Universität die Philosophische Fakultät sowie die Theologische Fakultät, mit Ausnahme zweier Lehrstühle, die mit Rücksicht auf den Säkularklerus für Nichtjesuiten reserviert blieben, übertragen. Zur Niederlassung überließ man ihnen die ältesten Bursengebäude. Obwohl die Universität damit fast zur Hälfte jesuitisch geprägt wurde, blieb dem Orden das Rektorenamt versagt. Präzedenzstreitigkeiten zwischen Orden und Universität, aber auch zwischen Universität und Stadt, waren üblich. Zur finanziellen Ausstattung erhielt der Jesuitenorden die sundgauischen Priorate St. Morand bei Altkirch, St. Ulrich an der Larg, Ölenberg und Pairis übertragen, die nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 an die Universität übergingen.

Mit der Übertragung der Philosophischen Fakultät, konnten die Jesuiten ihre eigenen Lehrvorstellungen an der Universität umsetzen. Reformen, die diesen entgegenstanden, wurden von den Jesuiten abgelehnt. Dennoch musste der Orden dem absolutistischen Reformdruck ab 1767 nachgeben; 1773 wurde er aufgelöst und verlor seine Lehrfunktion.

Das 1572 beim ersten landesfürstlichen Versuch der Einführung des Jesuitenordens in Freiburg zur Abwehr von der Universität eingerichtete Gymnasium wurde 1620 von den Jesuiten übernommen. Es befand sich im und zeitweise gegenüber dem Jesuitenkolleg. Nach 1773 wurde es von Benediktinermönchen unter Obhut der Universität weitergeführt bis es in die Regie von Stadt und Land überging. Heute existiert es als Bertold-Gymnasium fort. Im Saal des Gymnasialgebäudes wurden jesuitische Theaterstücke aufgeführt, doch sind von diesen nur Fragmente überliefert; die noch 1773 aufgelisteten Requisiten gingen verloren.

Die Archivalien sind teilweise im Universitätsarchiv erhalten, darunter ein Katalog, der Auskunft über die ehemalige Ordensbibliothek gibt; Beständereste wurden in die Universitätsbibliothek eingegliedert.

In Freiburg betrieben die Jesuiten vier Laienkongregationen: eine "große" für Professoren und eine "kleine" lateinische für die Studenten und Schüler, ferner eine deutschsprachige für verheiratete Bürger und eine für ledige Männer. Ihnen entsprachen jeweils Patrozinien und Altäre in der Jesuitenkirche. Die Jesuiten erhielten bei ihrer Einführung in Freiburg die Adler- und Pfauenburse übertragen und erwarben die Nachbarhäuser hinzu. Die Bursen selbst bestanden jeweils aus mehreren Wohnhäusern, die teilweise bis ins frühe 13. Jh. zurückreichten, wie sich in den heute noch erhaltenen Kellerräumen nachvollziehen lässt. Ziel des Ordens war es, das gesamte Straßenquartier zu erwerben und ein großes Kolleg zu bauen, was jedoch nicht realisiert werden konnte. Erst 1691, als Freiburg französisch war, konnten die Bauarbeiten am Kolleg nach Entwürfen von Johann Baptist Heintze beginnen und wurden 1727 unter österreichischer Regie fertiggestellt. Die Kirche wurde von dem Ordensarchitekt Heinrich Mayer erbaut und hat große Ähnlichkeiten mit der von Solothurn.

Mit der Ordensaufhebung fielen die jesuitischen Gebäude an die Universität. Bis 1911 diente das Kolleg als Universitätshauptgebäude, 1944 brannte der Komplex samt Kirche aus und wurde im Inneren weitgehend zerstört, während die äußere Gestalt erhalten blieb. Neben verschiedenen Instituten befindet sich seit 2004 im Erdgeschoss das Universitätsmuseum. Große Teile der beweglichen Kirchen-Erstausstattung sind dort ausgestellt, darunter Eucharistiekelche, Paramente und Reliquiare. Die Innenausstattung der Kirche wurde nach Entwürfen des zeitgenössischen Künstlers Franz Gutmann gestaltet. Sie dient heute als Universitätskirche.

Unter der Kirche, im Keller eines ehemaligen Wohnhauses befindet sich die heute nicht zugängliche Gruft des Ordens mit weit über 100 Bestattungen und einem Belegzeitraum von 1691 bis 1771. Das gegenüber dem Kollegium befindliche Gymnasium wurde nach 1773 zur Universitätsbibliothek umgebaut, dann ab 1896 als Institutsgebäude genutzt, bis es 1944 unterging.

DIETER SPECK     
LITERATUR
-<KB Freiburg> I/2, 924.
- Th. KURRUS: Die Jesuiten an der Universität Freiburg i. Br. 1620-1773. Bd. 1 u. 2 (Beiträge zur Freiburger Wissenschafts- und Universitätsgeschichte 21 u. 37). Freiburg im Breisgau 1963 u. 1977.
- I. BECHER: "Eine schöne, nicht zu große Kirche" - Die Kunst der Jesuiten in Freiburg. In: <Eine Stadt braucht Klöster> 141-147.
- P. KALCHTHALER: Jesuitenkirche und –kolleg. In: DERS. (HG.): Freiburg und seine Bauten. 4. Aufl. Freiburg 2006, 98-107.
- D. SPECK: Das Uniseum Freiburg. Ein Bildbegleitbuch. Freiburg 2007.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 200: Freiburg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
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