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Dominikanerinnenkloster Adelhausen Freiburg - Geschichte

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Abbildung  Button Reliquienkästchen aus dem Kloster Adelshausen, nach 1605.
Das Kloster Adelhausen, gelegen im Dorf Adelhausen südlich von Freiburg, zählte zu den frühen Frauenklöstern des 1216 gegründeten Dominikanerordens. Es wurde nach der Chronik der Priorin Anna von Munzingen aus dem Jahr 1318 von einem gewissen Vesser gestiftet, der sehr wahrscheinlich identisch ist mit Heinrich Vesser aus dem gleichnamigen Freiburger Patriziergeschlecht. Sowohl die Chronik wie auch die älteste Urkunde des Klosters aus dem Jahr 1234 sind nur in Übersetzungen des 15. Jh. überliefert. In dieser Urkunde vom 12. Oktober 1234 wird mitgeteilt, dass Heinrich von Tanne, Bischof von Konstanz, auf Bitten von Gräfin Adelheid von Freiburg den nach der Augustinerregel und den Statuten des Klosters von St. Marx in Straßburg lebenden Schwestern die Exemtion aus dem Pfarrverband gewährt hat. Die Statuten des Klosters St. Marx wurden in der Frühzeit des Ordens einer Reihe von Frauenklöstern unter dominikanischer Leitung verliehen. Mit ihnen wurde Adelhausen durch Papst Innozenz IV. im Jahr 1245 dem Dominikanerorden inkorporiert. Die Inkorporation wurde jedoch erst 1259 rechtskräftig, als der Orden sich endgültig zur Aufnahme von Frauenklöstern bereit erklärt hatte.

Adelhausen wurde im Verlauf des 13. Jh. zur bevorzugten Klosterstätte des Freiburger Patriziats und der bürgerlichen Oberschichten der umliegenden Städte. Vereinzelt traten auch Angehörige des Freiadels und der Ministerialität dem Konvent bei. Die gleichen Familien tätigten Jahrzeitstiftungen zugunsten des Klosters. Nach einem Brand des Klosters im Jahre 1320 veranlasste die Priorin Anna von Munzingen 1327 die Anlage eines Klosterurbars, das Besitzungen und Einkünfte in 63 Ortschaften verzeichnet. Die Klosterfrauen galten als Bürgerinnen der Stadt Freiburg. Sie wurden jedoch erst im 15. Jh. zu Steuerzahlungen herangezogen.

Als inkorporiertes Frauenkloster des Dominikanerordens unterstand das Kloster der Visitation des Provinzials der deutschen Ordensprovinz und der seelsorgerischen Betreuung durch die Dominikaner von Freiburg. Für die tägliche Messe in der Klosterkirche war ein Weltgeistlicher zuständig. Das Verhältnis zu den Freiburger Dominikanern wurde getrübt, als der Konvent auf Betreiben seines Beichtvaters Johannes Meyer OP, zusammen mit den Klöstern St. Agnes und St. Maria Magdalena der dominikanischen Observanz zugeführt wurde. Johannes Meyer (+ 1485), ein gebürtiger Zürcher, war Mitglied des reformierten Basler Dominikanerklosters, er stellte seine ganze Kraft in den Dienst der dominikanischen Reform, der sich die Freiburger Dominikaner nicht angeschlossen hatten. Die Reform der Freiburger Dominikanerinnenklöster wurde gegen ihren Willen mit Hilfe der Stadtregierung und Erzherzog Sigmunds von Österreich durchgeführt. Zur Unterweisung der Adelhauser Schwestern ließ Meyer einige Mitschwestern aus dem reformierten Kloster St. Catharina zu Colmar nach Freiburg kommen. Meyer beschloss sein Leben in Adelhausen und wurde in der 1677 zerstörten Klosterkirche begraben.

Die Reformation brachte erneut einen Niedergang des klösterlichen Lebens. 1560 lebten laut einem Bericht über die Zustände im Kloster nur noch drei Nonnen in Adelhausen. Ein Neuanfang wurde erschwert durch den Ausbruch des 30-jährigen Krieges. Am 27. Dezember 1632 setzten schwedischen Truppen das Kloster in Brand, im August 1644 kam es zu neuen Beschädigungen. 1647 vereinigte sich Adelhausen mit dem noch mehr in Mitleidenschaft gezogenen Dominikanerinnenkloster St. Agnes. Das Doppelkloster Adelhausen / St. Agnes behielt das alte Adelhauser Patrozinium "Mariae Verkündigung" bei. Als die Franzosen Freiburg 1677 mit einem Festungsgürtel umgaben, musste aber auch Adelhausen weichen. Zusammen mit dem gleichfalls zerstörten Kloster St. Katharinen in der Wiehre, das 1651 mit dem St. Maria Magdalena zusammengelegt worden war, entschloss man sich für den Neubau eines gemeinsamen Klosters in der Schnecken-Vorstadt. Das nunmehr alle vier Freiburger Dominikanerinnenklöster umfassende "Neukloster" Adelhausen "ad B. V. Mariam Annuntiatam" konnte 1694 bezogen werden.

Das "Neukloster" Adelhausen erscheint verschiedentlich in den Akten der 1709 gegründeten süddeutschen ("sächsischen") Provinz des Dominikanerordens. Darin wird postuliert, Adelhausen sei von Gräfin Adelheid von Freiburg gestiftet und mit dem Eintritt von Kunigunde von Sulz, einer Schwester Rudolf von Habsburgs, besonders ausgezeichnet worden. 1742 wurde die Kirche des "Neuklosters" zum Sitz einer "Bruderschaft zum ewigen Frieden". Mit ihr wollte die Bewohnerschaft der Schnecken-Vorstadt zu Einigkeit und Frieden aufrufen. 1764 wurde der Hochaltar im Chor der Kirche aufgestellt. Mit dem dominikanischen Bildprogramm der Feiertagsseite stellt sich das Kloster bewusst in die Tradition des Dominikanerordens. Der Altar aus der Zeit um 1450/55, vermutlich das Werk eines Freiburger Meisters, befindet sich heute im Augustinermuseum.

Einschneidende Veränderungen erlebte das Kloster nach 1782. Wie alle Klöster unter österreichischer Herrschaft sah sich auch Adelhausen bedroht durch die Dekrete Josephs II. zur Säkularisation der Klöster. Um sich vor der Aufhebung zu retten, stimmten die Schwestern 1786 einer Vereinigung mit dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina von Siena zu. Die Nonnen dieses sehr viel ärmeren Klosters unterhielten eine allseits angesehene Mädchenschule. Durch die Übernahme dieser Schule konnte Adelhausen ebenfalls den Nachweis "öffentlichen" Nutzens erbringen. Weitere Veränderungen brachte die Aufhebung des Freiburger Dominikanerklosters im Jahre 1795. Adelhausen wurde nun der Diözesanaufsicht des Bischofs unterstellt, die Seelsorge zeitweilig den Franziskaner-Rekollekten übertragen und die Klausurvorschriften zum Zwecke des Unterrichts gelockert.

Beim Übergang Freiburgs an Baden (1806) sollte sich zeigen, dass der damalige Entscheid für die Mädchenschule richtig war. Während alle übrigen Klöster aufgehoben wurden, sicherte er den Weiterbestand des "Neuklosters" als "Lehr- und Erziehungsinstitut Adelhausen". 1867 wurde den Schwestern die Lehrerlaubnis entzogen und das Institut aufgelöst. Die Rechtsnachfolge trat die Adelhausenstiftung Freiburg i. Br. an, die auch den größten Teil des überaus reichen Inventar- und Ausstattungsbestandes mit Kunstschätzen aus allen fünf Freiburger Dominikanerinnenklöstern für die Nachwelt sichern konnte.

MARTINA WEHRLI-JOHNS     
LITERATUR
-<KB Freiburg> I/2, 927f.
- A. WALZ: Statistisches über die Süddeutsche Ordensprovinz (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland). Leipzig 1927, 12, 16, 32, 87.
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- W. HAGENMAIER: Die deutschen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek und die mittelalterlichen Handschriften anderer öffentlicher Sammlungen. Wiesbaden 1988, XXXVII-XL.
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- B. HENZE: Die Entstehung der Stadt und die Gründung der Bettelordensklöster im 13. Jahrhundert. In: <Eine Stadt braucht Klöster> 10-21.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 152: Kirchhofen, Amt, Herrschaft und Ort
-Generallandesarchiv Karlsruhe 200: Freiburg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
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