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Benediktinerabtei Ettenheimmünster - Geschichte

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Abbildung  Button Heutige Pfarrkirche St. Landolin in Ettenheimmünster, 1989.
Die Gründungslegende des Klosters Ettenheimmünster erzählt vom Martyrium eines schottischen Mönches, des hl. Landolin. Ende des 7. Jhs. soll sich dieser im Ettenbachtal niedergelassen haben und dort durch einen heidnischen Jäger enthauptet worden sein. Zu Landolins Verehrung dürfte Widegern (Bischof von Straßburg) 728 in Mönchszell (cella monachorum) im Gebiet von Ettenheim ein Kloster errichtet haben, als (späteres) Gründungsdatum wird 734 angesetzt. Ebenso wenig kann man bezüglich des Testaments Eddos (734-760 Bischof von Straßburg), auf den der Name "Ethenheim" zurückgeht, von einer gesicherten Dokumentenlage ausgehen. Die gegenwärtige Forschung sprach dem Dokument, das dem Kloster und den dort ansässigen Mönchen einen reichen Nachlass bescheinigte, die Authentizität ab und setzte seine Entstehung zwischen 1111 und 1125, im Zeitraum des Investiturstreites an.

Ab dem frühen 12. Jh. ist von einer gesicherten Urkundenlage auszugehen. Das Benediktinerkloster, rechtlich abhängig vom Bistum Straßburg, hatte mittlerweile wirtschaftlich an Stabilität gewonnen. Im Jahr 1226 gelangte es hinsichtlich seiner Rechte und Besitztümer unter den Schutz Papst Honorius III. Die klösterlichen Rechte wurden 1417 durch Kaiser Sigismund bestätigt und behielten bei seinen Nachfolgern ihre Gültigkeit. Dennoch setzten dem Kloster anfangs Streitigkeiten mit Straßburg zu, später folgten Auseinandersetzungen mit den Obervögten. Seitens der Bischöfe wurde die Vogtei Ettenheimmünster 1427 weitergereicht an die Herren von Geroldseck. Die Konflikte mit diesen zogen sich über Jahrhunderte hin und fanden erst 1634 mit dem Tod Jakobs von Geroldseck ein Ende. Mit der Zurückerlangung der Vogtei durch die Straßburger Bischöfe prozessierten diese bis zu ihrem Erfolg 1740 gegen das Kloster um dessen Landeshoheit. Bereits zuvor wurden die Rechte Ettenheimmünsters immer stärker beschnitten.

Seine erste Verwüstung erlebte Ettenheimmünster 1440 unter Abt Andreas II. von Ichtersheim (1438-1441) durch die Vögte. Ebenso hinterließen die Bauernkriege ihre Spuren; um 1525 wurde zunächst die Pfarrkirche St. Peter durch einen ortenauischen Heerhaufen in Brand gesetzt, bevor in der Klosterkirche Feuer gelegt wurde. Der Wiederaufbau vollzog sich unter Abt Laurentius II. (1500-1544), jedoch beschränkte man sich auf eine der beiden Kirchen. Nur zwei Jahre nach der Zerstörung konsekrierte Weihbischof Konrad von Straßburg die ersten Altäre. Obgleich in den umliegenden Ortschaften das Augsburger Bekenntnis geltend gemacht wurde, betraf dies das weiterhin altgläubige (katholische) Kloster nicht. Anders verhielt es sich mit dem Straßburger Bischofsschisma von 1593/94, im Zuge dessen Ettenheimmünster dem am neuen, protestantischen Bekenntnis orientierten Bischof Johann Georg von Brandenburg (1525-1598) zugesprochen wurde. Er setzte 1594 gegen den Willen des Konvents Abt Johann Kaspar Brunner (1594-1600) ein. Während des 30-jährigen Krieges brachten sich die Mönche in verschiedenen Benediktinerklöstern in der Schweiz in Sicherheit, mussten allerdings bei ihrer Rückkehr den wirtschaftlichen Ruin Ettenheimmünsters feststellen. Zerstörung, Kriegsschulden und Abgaben hatten ihren Tribut gefordert, hinzu kam 1651 ein Brand. Aufgrund eines Mangels an Mitteln musste der Bau der Kirche bis zum Jahre 1668 warten. Zu einem Aufschwung trug Mitte des 17. Jhs. die Sendung des aus dem Benediktinerkloster St. Gallen kommenden Abtes Franciscus Hertenstein (1653-1686) bei. Trotz der wirtschaftlich prekären Situation bemühte er sich um die Ausbildung der Novizen, indem er Lehrer aus seinem Heimatkonvent kommen ließ. Daneben weitete er die bereits gut ausgestattete Bibliothek auf 15.000 Bände aus. In den kommenden Jahren folgten weitere Kriege, welche 1676 die erneute Flucht der Konventsmitglieder in die Abtei St. Gallen und den drei Jahre währenden Aufenthalt dort nach sich zogen. Unter Abt Baptist Eck (1710-1740) begann nach den spanischen Erbfolgekriegen (1701-1714) die Reorganisation und der Neuaufbau von Klostergebiet und Kirche.

Ihr Wiederaufbau begann 1719. Peter Thumb leitete diesen in den nächsten 15 Jahren. Das Kloster erlebte eine durch Abt Franciscus geförderte kulturelle Blüte besonders im Bereich der Musik. Die Konventualen übten sich in Figuralmusik (mehrstimmiger Gesang) sowie Instrumentalmusik und komponierten selbst. In der Gemeinschaft aus nunmehr fast dreißig Mitgliedern lebten Mönche, die sich auf Weinanbau verstanden, ebenso wie Bildhauer, Übersetzer und Geschichtsschreiber. Die Bibliothek wurde durch die eigenen literarischen Schriften und Ankauf fremder Bücher um weitere 15.000 Bände ergänzt. Mehrere Auslagerungen und die Folgen der Kriege verwüsteten die Klosterbibliothek, sodass bis heute einige Urkunden und Bücher vermisst werden. Der übrige Bestand gelangte nach der Auflösung des Klosters in die Badische Hofbibliothek in Karlsruhe, in die Universitätsbibliothek Heidelberg und an das Pädagogikum Lahr (das heutige Scheffel-Gymnasium).

Während der Französischen Revolution wurden im Zuge der Abschaffung aller Vorrechte des Adels, des Klerus sowie der Städte und Provinzen auch dem Bischof von Straßburg durch ein Dekret vom 4. August 1789 die Rechte auf französisch-elsässischem Boden entzogen. Allen Protesten zum Trotz folgten weitere Dekrete, welche die Straßburger Kirche hinsichtlich ihrer Güter enteigneten und ein staatliches Gehalt für den Klerus einsetzten. Durch die Revolution dazu veranlasst, flüchtete der Straßburger Bischof Kardinal Louis Rohan 1790 nach Ettenheimmünster, bis das Amtshaus in Ettenheim fertig gestellt wurde und er dort unterkommen konnte. Auf seine Forderung hin diente das Kloster 1793 als Lazarett, mit schwerwiegenden Folgen, da die Soldaten zum Ansteckungsherd für das Fleckfieber wurden, das viele Opfer forderte. Anlässlich der Rheinüberquerung der französischen Armee 1796 unter der Befehlsgewalt General Moreaus flohen alle Mönche mit Ausnahme des Priors. Am 14. Juli fiel ein Teil des Heeres im Kloster ein und brandschatzte. Weitere Brände folgten.

Am 9. Februar 1801 erklärte man im Frieden von Lunéville den Rhein als Grenze zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Diesem wurden die linksrheinischen Gebiete zugesprochen, wodurch dem Reich weltliche wie auch kirchliche Besitztümer ohne jede Entschädigung verloren gingen. Das Klostergebiet fiel dem neuen Kurfürstentum Baden anheim. Abt Arbogast Häusler (1793-1803) und seine Beamten hatten am 1. Dezember 1802 sämtliche Schlüssel auszuhändigen. Nachdem am Weißen Sonntag 1803 zum letzten Mal die Hl. Messe gefeiert wurde, fand nur wenige Tage darauf die offizielle Auflösung des Konventes statt. Das Kloster wurde schließlich an Privatleute verkauft und als Zichorien-, später als Tabakfabrik genutzt. 1860 erfolgte die Sprengung des letzten Kirchturmes des Benediktinerklosters Ettenheimmünster, von dem bis auf die Grundmauern nichts weiter erhalten geblieben ist.

SABRINA MERK - KARL-HEINZ BRAUN     
LITERATUR
-<GermBen> 5 (1975) 215-224 (H. SCHWARZMAIER).
- L. HEIZMANN: Das Benediktiner-Kloster Ettenheimmünster, Lahrer Anzeiger. Lahr i. Br. 1932.
- A. KÜRZEL: Benediktiner-Abtei Ettenheim-Münster, geschichtliche Beschreibung, Nachdruck der Ausgabe von 1870. Ettenheim 1978.
- Stadt Ettenheim / Ausschuss Kulturhistorische Woche 1978 (Hrsg.): Ettenheim, Geschichte einer Stadt in ihrer Landschaft. Ettenheim 1978.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 111 P: Geroldseck (von der Leyen)
-Generallandesarchiv Karlsruhe 138: Ettenheim, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 169: Oberkirch, Amt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 205: Heidelberg, Universität
-Generallandesarchiv Karlsruhe 208: Kenzingen, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 27a: Ettenheimmünster
-Generallandesarchiv Karlsruhe 48: Haus- und Staatsarchiv: III. Staatssachen
-Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 69 von Türckheim: Archiv der Freiherren von Türckheim zu Altdorf
-Generallandesarchiv Karlsruhe 70 Münchweier:
-Generallandesarchiv Karlsruhe 74: Baden-Generalia
-Generallandesarchiv Karlsruhe 87: Ettenheimmünster
-Generallandesarchiv Karlsruhe C: Privaturkunden vor 1200
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
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