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Augustinerkloster Oberndorf - Geschichte

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Abbildung  Button Das ehemalige Augustinerkloster in Oberndorf als königliche Gewehrfabrik. Ansicht von 1824.
Das Oberndorfer Augustinerkloster war ursprünglich ein Frauenkloster, dessen Gründung wohl um die Mitte des 13. Jh. erfolgte. Als Stifter gelten die Herzöge von Teck, die auch als Stadtgründer von Oberndorf anzusehen sind und im 13. Jh. über reichen Besitz in dieser Gegend verfügten. Erstmals erwähnt werden Priorin und Schwestern vom Orden des hl. Augustinus in Oberndorf anlässlich ihrer Aufnahme in den Orden der Augustiner-Eremiten 1264 auf einem Provinzialkapitel zu Seemannshausen. Die Überlieferung, das Kloster sei aus einem Beginenhaus im "Schorrenwald" bei Brittheim hervorgegangen, ist letztlich nicht definitiv zu klären.

Ausgestattet mit zwei päpstlichen Privilegien gelang dem Kloster in den folgenden Jahrzehnten die Erweiterung seines Besitzes. 1278 führte offenbar ein erster Kirchenbau der Klosterfrauen zum Streit mit dem Kirchherrn der Pfarrei Oberndorf, der seine Rechte und Einkünfte bedroht sah. Das Verhältnis zwischen Kloster und Pfarrei wurde daraufhin in einem Vergleich geregelt, mit dem der Pfarrer an den Klostereinkünften aus der Stadt beteiligt und die Zuständigkeiten von Pfarr- und Klosterkirche gegeneinander abgegrenzt wurden. Die Klosterkirche wurde von einem Kaplan betreut und war der Jungfrau Maria geweiht. Ende des 13. Jh. bestanden außerdem Altäre der hll. Martin und Nikolaus. Daneben sind in den folgenden Jahrhunderten noch Altäre der hll. Erhard, Katharina und vermutlich Alexius genannt.

Vögte des Klosters waren die jeweiligen Stadtherren. Solange die Herzöge von Teck im Besitz der Stadt waren (bis 1374), förderten sie das Kloster durch zahlreiche Schenkungen, die vor allem Güter und Rechte in den zur Herrschaft Oberndorf zählenden Orten der näheren Umgebung betrafen. Auch Oberndorfer Bürger und der Niederadel der Umgebung erweiterten den Besitz durch Schenkungen. Zu einem Schwerpunkt der klösterlichen Grundherrschaft entwickelte sich Bochingen, dessen Kirche 1364 inkorporiert wurde.

Dem Konvent, der 1352 aus 14 Schwestern bestand, gehörten vor allem Frauen aus dem städtischen Bürgertum und dem niederen Adel, aber auch aus bäuerlichen Familien an. Zu nennen sind hier die Adelsfamilien Maier von Waseneck und von Leinstetten sowie die in Oberndorf und Rottweil ansässige Familie Hack. Die Priorin stammte in der Regel aus dem Adel.

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jh. hatte das Kloster mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen anscheinend im 16. Jh. der Verfall des geistlichen Lebens einherging. Ein Reformversuch des 15. Jh. mit neuen, nicht erhaltenen Statuten war fruchtlos geblieben. Konflikte mit den Stadtherren Oberndorfs, den Freiherren bzw. Grafen von Zimmern, führten 1544/45 zu einer Untersuchung der Missstände durch den Ordensprovinzial. Nachdem nach 1555 nur noch eine Schwester dort lebte, wurde das Kloster 1557 in ein Männerkloster umgewandelt und 1559 formell an offenbar aus Freiburg gekommene Augustiner-Eremiten übergeben. Die Mönche stabilisierten die wirtschaftliche Lage des Klosters und erhöhten vor allem die Einnahmen aus Kapitalgeschäften. Ein Tausch von Besitzungen der Grafen von Zimmern mit der Grafschaft Württemberg 1581 betraf auch Rechte des Klosters, das Güter in württembergischen Orten gegen ehemalige Besitzungen des Klosters Alpirsbach in der Herrschaft Oberndorf abzugeben hatte.

Der Konvent zählte bis in das 17. Jh. maximal ein Dutzend Personen, wuchs dann für Jahrzehnte auf rund zwanzig an und ging bis zur Auflösung 1806 auf zehn zurück. Bedeutendster Prior des Klosters war Johann Georg Greiffenstein (1595-1622), der 1602-1619 zugleich Provinzial der rheinisch-schwäbischen Ordensprovinz war. Mehrfach fanden Provinzialkapitel in Oberndorf statt.

Die kulturell-religiöse Ausstrahlung des Konvents war gering. Ein Katalog der kleinen Bibliothek ist aus dem 17. Jh. überliefert (828 Bände). Bei der Aufhebung des Klosters wurde die Bibliothek zerschlagen, nur ein kleiner Teil gelangte in die Württembergische Landesbibliothek nach Stuttgart. Eine kleine Bruderschaft vom hl. Augustinus und der hl. Monika wurde während des 30-jährigen Krieges unter Prior Nikolaus Fuchs (1636-1642) errichtet.

Mit dem Übergang der Grafschaft Hohenberg an das Königreich Württemberg 1806 war das Ende des Klosters besiegelt. Bei der Aufhebung im Januar 1806 zählte es neben dem Prior fünf Patres und zwei Fratres. Der letzte Prior, Servilian Rathgeb, übernahm die Pfarrstelle in Bochingen. Einige Jahre diente das Kloster als Kaserne. Ab 1812 wurden die Klostergebäude zur Gewehrfabrik mit Wohnräumen umgebaut, die Klosterkirche wurde zum Magazin, ein Teil wurde als evangelischer Betsaal eingerichtet. Seit 1974 ist das Rathaus im ehemaligen Kloster untergebracht, während die restaurierte Kirche nun städtisches Kulturhaus ist.

Bereits bei der Gründung im 13. Jh. scheint das Kloster an der heutigen Stelle in der Talvorstadt gelegen zu haben. Ein erster Kirchenbau ist um 1280 zu erschließen. Bereits vier Jahrzehnte später scheinen Erweiterungen an der Kirche vorgenommen worden zu sein. Um 1470 dürften die Gebäude renoviert worden sein. Umfangreiche Neubauten entstanden nach der Umwandlung in ein Männerkloster Ende des 16. Jh. (nach 1596) und Anfang des 17. Jh. Konvent- und Wirtschaftsgebäude wurden damals neu erstellt. Zugleich scheint die Klosterkirche erneuert worden zu sein, die 1661 nochmals renoviert wurde. 1723 wurde die Anlage mit dem Bau des Westflügels vervollständigt. Um die Mitte des 18. Jh. entstanden zusätzliche Wirtschaftsgebäude auf einem von der Stadt erworbenen Gelände. 1772 begann mit dem Abriss erster Gebäude ein vollständiger Neubau des Klosters an alter Stelle, der vermutlich 1779 abgeschlossen war. Entstanden ist damals eine dreiflügelige Anlage, die auf der Nordseite von der einschiffigen Kirche geschlossen wird. Leitender Baumeister für die Kirche war Christian Großbayer aus Haigerloch, die noch teilweise erhaltenen (und wieder aufgedeckten) Malereien stammen von Johann Baptist Enderle aus Donauwörth, die Stuckarbeiten führte Andreas Heckel aus Mindelheim aus. Dem Umbau des Klosters und insbesondere der Kirche für Zwecke der Gewehrfabrik fiel nahezu die gesamte Innenausstattung zum Opfer, Teile davon gelangten in die Stadtpfarrkirche. In die Kirche wurde beim Umbau zum Magazin auf halber Höhe eine Decke eingezogen. Der Turm wurde 1814 abgetragen. Nach dem Übergang der Gebäude an die Stadt 1972 wurde der Bestand gesichert und renoviert.

MANFRED WASSNER     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 367-369 (M. WASSNER).
- <KB Rottweil> II, 48.
- <KDW II> OA Oberndorf, 212.
- A. BRINZINGER: Geschichte des ehemaligen Augustinerklosters in Oberndorf a. N. Oberndorf 1909.
- E. WEBER: Studien zur Geschichte des Augustiner-Frauenklosters in Oberndorf a. N. Von seiner Gründung bis zum Jahre 1559. Oberndorf 1974.
- H. P. MÜLLER: Geschichte der Stadt Oberndorf a. N., Bd. 1. Oberndorf 1982, 191-205 u. 365-383.
- B. JENISCH: Oberndorf am Neckar (Archäologischer Stadtkataster 14). Stuttgart 2001, 38f.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 52: Oberndorf am Neckar, Obervogteiamt und Klöster
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 52 a: Oberndorf am Neckar, Augustinerkloster: Bände
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 128: Lagerbücher von Bistümern und Klöstern
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Bd. 188-191: Diplomatare
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 230: Lagerbücher der Klöster und Stifte: Oberndorf-Öhringen
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