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Dominikanerinnenkloster Rottweil - Geschichte

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Abbildung  Button Das ehemalige Dominikanerinnenkloster, heute Polizeigebäude, Oberamteistrasse 13.
Nach ordenseigener Überlieferung wurde das Kloster 1306 als Terziarinnen-Gemeinschaft in der Weißen Sammlung in der Hochmaiengasse im Rottweiler Sprenger-Ort mit engen Beziehungen zu ähnlichen Frauengemeinschaften in Oberndorf, Haigerloch und Horb gegründet. 1308 ist es auch urkundlich nachgewiesen. 1347 wird es als "Graf-Huginen-Sammlung" bezeichnet, wahrscheinlich nach Graf Hugo von Hohenberg; an dessen Gemahlin Ursula von Pfirt erinnern könnte die Bezeichnung "St. Ursula" des Frauenklosters.

Das Frauenkloster in der Hochmaiengasse stand offenbar von Anfang an unter der Aufsicht der Rottweiler Dominikaner. Es nahm vor allem Rottweilerinnen aus begüterteren Kreisen auf. 1441 hatte der Konvent ein Vermögen von 3.516 Pfund Heller zu versteuern, fast soviel wie die als wohlhabend bekannte Rottweiler Heiligkreuz-Bruderschaft. In Oberndorf wurde vielleicht schon damals eine Schaffnei eingerichtet. Zur Notwendigkeit einer Reform des klösterlichen Lebens im Konvent gibt es in dieser Zeit nur bescheidene Hinweise.

Im April 1525 während dem Bauernkrieg suchten Schwestern aus den Kleinklöstern von Hochmauren und St. Pelagius in Rottweil-Altstadt, von St. Nikolaus, St. Moritz und St. Jakob auf der Rottweiler Mittelstadt sowie von Bühlingen und von Hausen o. R. in der Weißen Sammlung im sicheren Rottweil Zuflucht und vereinigten sich bis etwa 1528 mit dem dortigen Konvent. Nach Schwierigkeiten mit der monastischen Disziplin um 1560 erlebte das Kloster unter der Priorin Ursula Braun (1567- 1595) eine Blüte. Um 1580 wurde das erstmals auf der Rottweiler Pürschgerichtskarte von 1564 abgebildete Kloster gründlich umgebaut. 1595 waren seine Schwestern in 71 Dörfern und Städten begütert. Schon 1611 soll ihr Kloster auch in den Besitz einer Krippe des berühmten Villinger Kunsthafners Hans Kraut gekommen sein. Ohne Erfolg bemühte man sich, die Voraussetzungen für die Seelsorge in Hausen o. R. auszubauen. Belastet haben das Frauenkloster seit dieser Zeit auch die fast ständigen Auseinandersetzungen mit der Rottweiler Obrigkeit über die Besteuerung des Klosters. Im 30-jährigen Krieg verarmte das Kloster, dessen Konvent auf drei Schwestern zusammenschmolz.

Im späteren 17. Jh. versuchten die Dominikanerinnen in der Rottweiler Hochmaiengasse ohne Erfolg, ihr Kloster nach Hausen o. R. zu verlegen. Im Jahre 1702 begannen die Schwestern mit ihrer tatkräftigen Priorin Maria Caecilia Wildmann (1692-1721) an der Spitze am Platz des zerstörten Klosterhofes der Benediktiner von St. Georgen in Villingen an der Nordwestecke des damaligen Rottweil den Bau eines neuen, geräumigeren Klosters, das 1706 bezogen wurde; seine Kapelle wurde 1709 geweiht. Zu ihrem seit dem 30-jährigen Krieg nachweisbaren "Geschossenen Kruzifix" entwickelte sich eine kleine Wallfahrt.

1769 bildeten 14 Konventualinnen und eine Laienschwester die klösterliche Gemeinschaft. Deren Vermögenslage verschlechterte sich zusehends. Schon 1769 hatten Handschriften aus der Bibliothek des Klosters verkauft werden müssen. 1783 übernahmen zwei Schwestern von St. Ursula im Rahmen der Reform der Deutschen Schule in Rottweil den Unterricht der Mädchen. Dessen ungeachtet untersagte der Rottweiler Magistrat 1786 die Aufnahme von Novizinnen von auswärts.

1802 verfügte Herzog Friedrich von Württemberg zum Jahresende die Aufhebung des Klosters, die im folgenden Jahr durchgeführt wurde. Die Kirche wurde profaniert, das Kloster bis 1806 zum Sitz von Oberamt und Forstamt Rottweil umgewandelt, Vermögenswerte zu Geld gemacht. Die letzte Priorin Nepomucena Gugel und sechs ihrer Mitschwestern mussten in der Stadt unterkommen; die letzte von ihnen starb 1830.

WINFRIED HECHT     
LITERATUR
-<ERZBERGER> 276ff.
- <Württ. Klosterbuch> 426f. (W. HECHT).
- W. HECHT: Die Dominikanerinnen von St. Ursula in Rottweil. Rottweil 2003.
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