Klöster in Baden-Württemberg
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Zisterzienserabtei Bebenhausen - Geschichte

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Abbildung  Button Die Zisterzienserabtei Bebenhausen. Ansicht aus dem Forstlagerbuch von A. Kieser, 1683.
Um 1185 stiftete Pfalzgraf Rudolf von Tübingen in Bebenhausen, einem abgegangenen Dorf am Schönbuchrand, nahe der Stadt Tübingen, ein Kloster, das er dem Prämonstratenserorden übertrug und das wohl von Marchtal aus besiedelt wurde. Doch schon kurze Zeit später wurde das am 1. Juni 1187 erstmals urkundlich als bestehend genannte Kloster von den Prämonstratensern "aus gewissen Gründen" wieder aufgegeben und von Pfalzgraf Rudolf dem Zisterzienserorden übertragen, dessen Generalkapitel in Cîteaux die Übernahme im September 1190 beschloss und den Abt von Schönau als Vaterabt einsetzte.

Rasch blühte das Kloster auf: Im 13. Jh. zählte der Konvent stets an die 80 Chormönche und bis zu 130 Konversen, schon im frühen 14. Jh. nahm die Zahl der Laienbrüder stark ab, die der Chormönche wurde etwa halbiert. Im 15. Jh. zählte man durchgehend zwischen 40 und 50 Professen - 1494 waren es gar 56 Chormönche und sechs Novizen, allerdings nur noch vier Konversen. Die aus den Reihen des Konvents gewählten Äbte stammten im 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jh. überwiegend aus miteinander verwandten Familien des Niederadels der Umgebung: So folgte beispielsweise dem Abt Werner von Gomaringen (1356-1393) sein jüngerer Bruder Peter (1393-1412).

Das reichlich bemessene Fundationsgut, das neben dem Ort Bebenhausen und Rechten am Schönbuch zahlreiche Güter sowohl in der Nähe als auch in weiterer Entfernung umfasste, konnte schon in den ersten Jahrzehnten durch Schenkungen, aber auch durch Käufe in beträchtlichem Umfang vermehrt werden. Eine kluge, durch Zukaufsmöglichkeiten geförderte Erwerbspolitik zielte schon früh auf eine Arrondierung des Grundbesitzes sowohl in der unmittelbaren Umgebung des Klosters wie auch in der Ferne. 1229 verfügte so die Abtei über sieben große Grangien, darunter eine im Schwarzwald, eine im mittleren Neckarraum und eine auf der Schwäbischen Alb.

Zum umfangreichen Besitz zählten neben zahlreichen Mühlen und Keltern vor allem auch Kirchenpatronate, die meist im 14 Jh. in Inkorporationen umgewandelt werden konnten. Die wirtschaftliche Lage des Klosters war, sieht man von einzelnen Ereignissen und einer gewissen Schwächeperiode zu Beginn des 15. Jh. ab, fast über die gesamte Zeit seines Bestehens gut, wenn nicht sehr gut: 1275 bezahlte Bebenhausen die höchste Abgabe ("procuratio") (4 Mark Silber) von allen Benediktiner- und Zisterzienserklöster im Bistum Konstanz und unter den württembergischen Klöstern stand es, was die steuerlichen Anschläge, die Kriegsleistungen oder sonstigen Beiträge anbelangt, stets an der Spitze vor Maulbronn.

Im 14. und 15. Jh. verstärkte sich die Tendenz, unrentablen Streubesitz aufzugeben und die klösterlichen Besitztümer und Wirtschaftsmittel in der Nähe und Umgebung Bebenhausens, insbesondere im Schönbuch, im Ammer- und im Steinlachtal zu konzentrieren. Zumal sich das Kloster neben dem Grundeigentum ganze Dorfherrschaften - Zwing und Bann, niedere und hohe Gerichtsbarkeiten - sichern konnte, entstand ein Klosterterritorium, zu dem gegen Ende des 15. Jh. über ein Dutzend Dörfer und Weiler in der näheren Umgebung gehörten. Zur Verwaltung und Vermarktung seiner Einkünfte unterhielt Bebenhausen mehrere große Pfleghöfe, u. a. in Esslingen, Reutlingen, Rottenburg, Tübingen, Weil der Stadt.

Schon wenige Monate nach der Besiedlung Bebenhausens durch Zisterziensermönche aus Schönau, am 30. Juli 1191, gewährte ihnen Pfalzgraf Rudolf von Tübingen die übliche Vogteifreiheit. Doch gegen Ende des 14. Jahrhunderts geriet das Kloster in den Sog der sich ausweitenden Herrschaft Württembergs, 1392 findet sich erstmals die Formulierung Bebenhausen stehe "sub tuitione et defensione" der württembergischen Grafen. Zwar behandelte das Reich Bebenhausen noch im ganzen 15. Jh. als reichsunmittelbares Kloster, veranlagte es zur Reichsmatrikel, lud den Abt auf die Reichstage, forderte die Stellung von Kontingenten zum Reichsheer, dennoch wurden die Bindungen an Württemberg immer enger, so dass dessen Schirmvogtei in der zweiten Hälfte des 15. Jh. als selbstverständlich galt: seit 1480 nachweisbar, besuchten die Bebenhäuser Äbte die württembergischen Landtage, ja übernahmen dort eine führende Rolle und prägten die württembergische Landespolitik als landsässiges Kloster mit.

Die Aufhebung der Abtei durch Herzog Ulrich von Württemberg erfolgte im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation in Württemberg 1534/35 in mehreren Etappen: Im Dezember 1534, der Abt war am 21. Dezember gestorben, erklärten sich von den 36 Mönchen 18 als "alte chrysten", 18 bekannten sich zum Luthertum. Am 17. November 1535 mussten die letzten noch verbliebenen 14 Mönche das Kloster schließlich verlassen. Die meisten zogen zunächst nach Salem, andere ins Tiroler Kloster Stams; 1542 fand sich die Mehrheit der Konventualen im Kloster Tennenbach ein, das nach dem Tod des Abtes über keine Priestermönche mehr verfügte. Interim und Restitution ermöglichten kurze, episodenhafte Wiederbesiedlungen von 1549 bis 1556/60 bzw. von 1630 bis 1632 und 1634 bis 1648/49.

Gemäß der Klosterordnung Herzog Christophs vom 9. Januar 1556 wurde auch in Bebenhausen eine evangelische Klosterschule errichtet, die bis zu ihrer Aufhebung 1806/07 - Zusammenlegung mit der Klosterschule in Maulbronn und Umsiedlung dort hin - als "Höheres Seminar" auf das Theologiestudium am Evangelischen Stift in vorbereitete. Danach wurde die Anlage zunächst als Quartier königlich-württembergischer Hofjagden benutzt, schließlich der größte Teil der Gebäude nach und nach verkauft. Die neuen Eigentümer schlossen sich 1823 mit königlicher Genehmigung zur neuen bürgerlichen Gemeinde Bebenhausen zusammen. Unter dem württembergischen König Karl (1864-1891) erfolgte ein teilweiser Rückkauf von Gebäuden der Klausur und des inneren Bezirks sowie eine Restaurierung der inneren Anlage. Das einstige Herrenhaus wurde zum Jagdschloss mit Privatgemächern für die königliche Familie ausgebaut. Nach seiner Abdankung 1918 erhielt König Wilhelm Bebenhausen als Altersruhesitz zugewiesen, wo er 1921, Königin Charlotte 1946, starb. Nach dem Tod der Königin tagte in Bebenhausen die Verfassungsgebende Versammlung, danach - bis zur Gründung des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg 1952 - der Landtag von Württemberg-Hohenzollern. Das einstige Winterrefektorium diente als Plenarsaal.

Die Kloster- und Schlossanlage wird heute vom Referat "Schlösser und Gärten" im Finanzministerium verwaltet und ist für Besucher geöffnet. Im ehemaligen Abtshaus und in der Infirmerie befindet sich die Landesforstdirektion, die Klosterkirche benutzt die evangelische Kirchengemeinde.

Der gesamte Ort Bebenhausen steht seit 1974 unter Ensemble-Denkmalschutz. Die Klosteranlage einschließlich der Anordnung der einzelnen Räume in den Gebäudetrakten orientiert sich am Zisterzienserschema. Sie gilt als eine der besterhaltenen Anlagen in Europa, in der sich die gesamte Bauentwicklung vom Beginn bis zur Aufhebung der klösterlichen Gemeinschaft widerspiegelt: Der Ostflügel der Klausur ist noch weitgehend romanisch, der Kreuzgang in spätgotischem Stil, das Winterrefektorium und das Herrenhaus der Renaissance verpflichtet. In den Chor der romanischen Klosterkirche wurde um 1335 ein großes gotisches Fenster eingebrochen, 1407 bis 1409 erhielt sie anstelle des hölzernen Dachreiters ein steinernes "Glockenhaus" durch den Salemer Baumeister Georg, das als einer der schönsten Glockentürme der Zisterzienser zum Wahrzeichen des Klosters wurde. Eine besondere architektonische Kostbarkeit bildet das 1335 errichtete zweischiffige Sommerrefektorium mit seinen drei oktogonalen, palmettenartig ins Sterngewölbe führenden schlanken Pfeilern.

Bis heute hat sich im Großen und Ganzen die Bausubstanz, wie sie in der Reformationszeit ausgebildet war, erhalten. Eine größere Einbuße erlebte lediglich die Kirche, von deren Langhaus 1537 sechs Joche abgebrochen wurden.

WILFRIED SETZLER     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 184-187 (W. SETZLER).
- <KB Tübingen> II, 20-44.
- <KDW II> OA Tübingen, 402-413.
- J. SYDOW: Die Zisterzienserabtei Bebenhausen (Germania Sacra NF 16). Berlin 1984.
- W. SETZLER / F. QUARTHAL (Hg.): Das Zisterzienserkloster Bebenhausen. Beiträge zur Archäologie, Geschichte und Architektur (Beiträge zur Tübinger Geschichte 6). Stuttgart 1995.
- M. KÖHLER: Die Bau- und Kunstgeschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Bebenhausen bei Tübingen (<VKBW.B> 124). Stuttgart 1995.
- U. SCHWITALLA / W. SETZLER (Hg.): Die Zisterzienser in Bebenhausen. Tübingen 1998.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 474: Bebenhausen
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 102/8: Geistliche Lagerbücher: Kloster Bebenhausen
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Bd. 10-24e: Diplomatare
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 51: Kaiserselekt
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart J 1 Nr. 206: Allgemeine Sammlung von ungedruckten Schriften zur Landesgeschichte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 98: Salem
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