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Franziskanerinnenkloster "Maria Rosengarten" Wurzach - Geschichte

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Abbildung  Button Ansicht des barocken Franziskanerinnenklosters Maria Rosengarten, Wurzach. Deckenfresko, 18. Jh.
Stifterin des Klosters vom Dritten Orden des hl. Franziskus war Truchsessin Helena von Waldburg, geb. von Zollern. Nach schweren Schicksalsschlägen - innerhalb weniger Jahre verlor sie drei Kinder, ihren Ehemann Truchsess Hans und die Schwiegertochter - holte sie die päpstliche Genehmigung zur Klostergründung ein (Breve vom 8. Januar 1513), erwarb einen Platz nordöstlich vor der Stadt bei der Pfarrkirche und ließ dort ein Schwesternhaus errichten. Sie dotierte es mit jährlichen Zinseinkünften von ihrer Morgengabe (27. Oktober 1514), auch ihr Sohn Truchsess Georg III., der "Bauernjörg", vermachte dem Kloster einen ewigen Zins (12. November 1515). Im Übrigen sollten die Schwestern ihren Lebensunterhalt durch Weben verdienen. Auch durften sie drei Stück Vieh und drei Schweine auf der Gemeindeweide halten. Sie waren von aller Obrigkeit der Stadt und der Herrschaft und allen Lasten befreit, es war ihnen aber nicht gestattet, Immobilien oder unablösbare Zinse in der Stadt und der Herrschaft Wurzach zu erwerben. Die Stifterin trat 1514 selbst in ihr Kloster ein und brachte vier Schwestern aus Leutkirch und Kißlegg mit, starb aber schon im folgenden Jahr (Marmorepitaph im linken Seitenschiff der Stadtpfarrkirche Wurzach).

Das Kloster, in Urkunden nur "Klause zue Wurtzen" oder "Klause im Rosengarten zue Wurtzen" genannt, kam durch den Fleiß der Schwestern, sparsame Haushaltsführung, weitere fromme Schenkungen und den Umstand, dass die eintretenden Schwestern ihr Erbteil dem Kloster zubrachten, im Laufe der Zeit zu bescheidenem Wohlstand. Die Schwestern selbst führten ein Leben in persönlicher Armut. Sie betrieben eine kleine Landwirtschaft, verkauften Webarbeiten, Wachskerzen, Hostien und Konfekt, pflegten Kranke und erteilten der weiblichen Schuljugend Unterricht. Nach den schrecklichen Leiden und Zerstörungen des 30-jährigen Krieges dauerte es Jahrzehnte, bis das Klostergebäude instandgesetzt war und wieder geregelte Verhältnisse einkehrten. 1711 ließen die Schwestern, die seit der Klostergründung das herrschaftliche Oratorium in der Pfarrkirche mitbenutzen durften, mit Erlaubnis des Bischofs von Konstanz eine eigene Hauskapelle einbauen, die 1717 zu Ehren der hll. Joseph, Elisabeth, Franziskus, Antonius von Padua und Klara konsekriert wurde (Patrozinium am 19. November). Unter der energischen Oberin Helena Soldin erfolgte 1763 eine fast vollständige bauliche Erneuerung (Treppenhaus, Konventssaal, reizvolle Deckenstukkaturen). Auch die Kapelle wurde im Rokoko-Stil neu ausgeschmückt (Plastiken der vier Franziskanerheiligen Elisabeth, Franziskus, Klara und Antonius von Padua, Johann Jakob Willibald Ruez zugeschrieben). Die wirtschaftliche Lage des Klosters blieb bis zur Säkularisierung gut. Es besaß Gebäude und Grundeigentum im Wert von rund 16.000 Gulden und Kapitalien in Höhe von 29.245 Gulden. Die jährlichen Einkünfte machten im Durchschnitt 1.503 Gulden aus, das Gesamtvermögen wurde 1806 auf 46.139 Gulden veranschlagt. Schulden waren nicht vorhanden. Am 25. Juli 1806 hob Fürst Eberhard von Waldburg-Zeil-Wurzach das Kloster auf und zog die Güter und Einkünfte des Klosters an sich, beließ aber deren Verwaltung und Nießbrauch bis auf weiteres den Schwestern. Der Konvent bestand damals noch aus zwölf Schwestern im Alter zwischen 27 und 76 Jahren, letzte Vorsteherin war Nepomucena von Kolb. Nach der wenig später durchgeführten Mediatisierung des Hauses Waldburg bestritt der württembergische Staat die Rechtmäßigkeit des Aufhebungsbeschlusses und erhob seinerseits Anspruch auf das Klostervermögen. Im Ausgleichsvertrag vom 6. März / 23. Oktober 1812 konnte die Standesherrschaft Wurzach ihre Ansprüche jedoch weitgehend durchsetzen. Sie blieb im Besitz des gesamten Klostervermögens. Die Schwestern durften weiter im Kloster wohnen, der Ertrag aus dem Klostervermögen blieb ihnen zu ihrem Unterhalt vorbehalten, bis ihre Zahl auf acht zurückging. Danach sollte jede eine jährliche Pension von 150 Gulden aus dem fürstlichen Rentamt erhalten. Dieser Fall trat 1821 ein. Die letzte Konventualin, Crescentia Leonhardt, starb 1849. 1855 bezogen die Schulschwestern vom Hl. Kreuz aus Menzingen in der Schweiz das Klostergebäude und übernahmen die Leitung der städtischen Mädchenschulen. Da ihnen als ausländischen Ordensleuten durch einen Regierungserlass der Aufenthalt in Württemberg untersagt wurde, kaufte 1863 die Kongregation Unserer Lieben Frau (Arme Schulschwestern) zu Rottenburg das Kloster von der Standesherrschaft und richtete eine Mädchenschule ein, die sich erfolgreich weiterentwickelte. Bis 1991 unterhielten die Armen Schulschwestern im ehemaligen Frauenkloster eine Hauswirtschaftliche Berufsfachschule. Heute dient das Klostergebäude den letzten Schwestern als Wohnung.

RUDOLF BECK     
LITERATUR
-<ERZBERGER> 404f.
- <Württ. Klosterbuch> 520-522 (R. BECK).
- <AFA> 15 (1970) 163-247 (R. SCHNEIDER)
- <KDW Leutkirch> 176-178.
- G. ZEILE: Das Frauenkloster Maria Rosengarten zu Wurzach. Ein historisches Klosterbild. Waldsee 1886.
- R. SCHNEIDER: Maria Rosengarten in Bad Wurzach. Bad Waldsee 1973.
- O. FRISCH: Bad Wurzach - Geschichte und Entwicklung einer oberschwäbischen Bäderstadt. Hinterzarten 1975.
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