Klöster in Baden-Württemberg
Regulierte Chorherren   Prämonstratenser   Klöster im Main-Tauber-Kreis   

Prämonstratenserpriorat Gerlachsheim - Geschichte

  Zurück
Abbildung  Button Ehemaliges Prämonstratenserpriorat Gerlachsheim, Lithographie um 1830.
Als "claustro sanctimonialium in Lutzelenludin" wird das spätere Frauenkloster Gerlachsheim erstmals 1209 in einer Urkunde des Bischofs von Würzburg erwähnt. Die ältesten Einträge im Schenkungs- und Stiftungsbuch des Klosters datieren jedoch schon auf 1187. In der bischöflichen Urkunde wurden dem Klostergründer Siboto von Zimmern bzw. von Lauda Güterschenkungen an das Frauenkloster, u.a. in dem Ort "Gerlagesheim", bestätigt. Der ältere Klosterstandort "Lutzelenludin" wird in der Nähe des heutigen Bahnhofs Gerlachsheim lokalisiert, spätestens 1228 ist der heutige Standort bezeugt. Die weitere Ausstattung mit Gütern, Weinbergen und Wald im Umkreis von etwa 20 km um Gerlachsheim diente dem Auskommen der 20 Nonnen und ihrer Dienerschaft. Neben der Stifterfamilie und ihren Nachfolgern, den Grafen von Rieneck, bedachten weitere Adelige aus dem Tauber-Odenwald-Raum das Kloster. Dieser Personenkreis stellte auch die Konventualinnen, von denen 31 im Jahr 1359 sogar namentlich genannt sind. Die Meisterinnen des Klosters entstammten ebenfalls den Grafen- und Niederadelsfamilien der Gegend. Unter den 20 zwischen 1260 und 1549 nachweisbaren Meisterinnen befanden sich allein fünf Wertheimer Grafentöchter. Lebten in der Blütezeit des Konvents etwa 30 Nonnen in Gerlachsheim, ging deren Zahl in der ersten Hälfte des 16. Jhs. merklich zurück, bis zuletzt nur noch die Meisterin und eine weitere Ordensfrau dort ansässig waren.

Die Zuordnung des Frauenkonvents zum Prämonstratenserorden wird erstmals in einer Bestätigungsurkunde Papst Innozenz IV. 1254 fassbar. Vaterabt des in der Diözese Mainz gelegenen Klosters war der Abt des Prämonstratenserklosters Oberzell bei Würzburg.

Um 1261 wurde der Klosterbezirk durch den Mainzer Erzbischof und seine Verbündeten teilweise zerstört. Die dokumentierten Schäden an Baubestand und Gütern erlauben einen Blick auf die vorhandene Wirtschaftsinfrastruktur. Die Kirchen- und Konventgebäude blieben bei dieser Auseinandersetzung anscheinend unversehrt. Erst im Bauernkrieg erlitt die Niederlassung dann erneut größere Beschädigungen.

Die Vogteirechte der Herren von Zimmern-Lauda über das Kloster gingen zunächst in Erbfolge auf die Grafen von Rieneck, als heimgefallenes Lehen dann auf das Erzstift Mainz über. 1506 konnte schließlich das Hochstift Würzburg aus nunmehr pfälzischem Besitz "alle vnd jede gerechtigkaitten vff dem Closter vnd dorff" für 25.000 Gulden käuflich erwerben. Der Würzburger Bischof unterstellte das Kloster wenige Jahre nach dem Tod der letzten Meisterin seiner Finanzkammer. 1563 endet daher die Geschichte des Prämonstratenserinnenklosters Gerlachsheim.

Der Prämonstratenserorden, um eine Rückgabe des entfremdeten Klosterbesitzes bemüht, erreichte dies schließlich 1717 und errichtete ein dem Männerkloster Oberzell zugeordnetes Priorat. Von der Wiederbegründung eines Frauenkonvents wurde, als Folge der Bestimmungen des Konzils von Trient, aus Sicherheitsgründen abgesehen. Lebten anfangs zehn bis zwölf Priester in Gerlachsheim, so waren es in den letzten Jahren vor Aufhebung des Klosters zumeist 17 Chorherren, die in Gerlachsheim wohnten. Auch der Abt von Oberzell verbrachte jährlich mehrere Wochen im Grünbachtal.

Die als Pfarrkirche dienende Klosterkirche sowie die Konventgebäude bestanden nach der Auflösung des Frauenkonvents zwar weiter, verfielen jedoch zusehends. So erfolgte in den Jahren 1723-1728 ein barocker Neubau der Kloster- und Pfarrkirche Heilig Kreuz. 1730 wurde die Kirche geweiht. Auch die Konventgebäude wurden auf den alten Grundmauern neu erbaut. Die noch weitgehend original erhaltene prachtvolle Innenausstattung der Kirche und die Orgel von Johann Philipp Seuffert bilden heute u.a. den stimmungsvollen Rahmen für Konzerte.

1803 wurde der Gerlachsheimer Klosterbesitz im Reichsdeputationshauptschluss dem Altgrafen von Salm-Reifferscheidt-Bedburg als Entschädigungsgut zuerkannt, der Konvent aufgehoben.

Die Klostergebäude dienten auch nach der Mediatisierung 1806 als Schloss und Verwaltungssitz. 1838 erwarb der badische Staat die Besitzungen, mit Aufhebung des Bezirksamts Gerlachsheim wurde jedoch ein neuer Verwendungszweck für die Gebäude gesucht. 1874 eröffnete darin eine Taubstummenanstalt, die ab 1935 sukzessive aufgelöst wurde. Während des Zweiten Weltkriegs beherbergte die Klosteranlage zwangsumgesiedelte Slowenen, nach Kriegsende dienten die Räumlichkeiten als zentrales Durchgangslager zur Unterbringung von Vertriebenen. Seit 1952 nutzt der Main-Tauber-Kreis die ehemaligen Konventgebäude als Alters- und Pflegeheim.

CLAUDIA WIELAND     
LITERATUR
-J. BAßLER: Die Geschichte Gerlachsheims. Zulassungsarbeit für das Lehramt an Gymnasien, Maschinenschrift, o.J.
- Kath. Pfarramt Hl. Kreuz Gerlachsheim (Hg.): Einweihung des neuen Altars in der katholischen Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Gerlachsheim am 9. September 1990. Lauda-Königshofen 1990.
- I. HEEG-ENGELHART: Oberzell und die ihm unterstellten Niederlassungen der Prämonstratenserinnen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (insbesondere die Stifte Unterzell und Gerlachsheim). In: H. FLACHENECKER / W. WEIß (Hg.): Oberzell - Vom Prämonstratenserstift (bis 1803) zum Mutterhaus der Kongregation der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu. (Quellen und Forschungen zur Geschichte des bistums und Hochstifts Würzburg 62). Würzburg 2006, 249-287.
- A. DECKER-HEUER: Das Prämonstratenserinnenstift Gerlachsheim (1209-1556/1563). In: Gerlachsheim, Geschichten eines Dorfes. Gerlachsheim 2009, 49-66.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 121: Salm-Krautheim
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 69 Zobel von Giebelstadt: Familien- und Herrschaftsarchiv der Zobel von Giebelstadt-Darstadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
  ZurückSeitenanfang