Klöster in Baden-Württemberg
Orte   Orte: Buchstabe K   Bettelorden   Mönchsorden   Benediktiner   Franziskaner   Klöster im Landkreis Freudenstadt   

Benediktinerpriorat Kniebis - Geschichte

  Zurück
Abbildung  Button Siegel des Benediktinerpriorats Kniebis: Maria mit dem Kind. Abdruck von 1403.
Die an einer Passstraße über dem Schwarzwald errichtete Kapelle auf dem Kniebis hatte wohl schon längere Zeit Reisenden als Station gedient, bevor sie 1267 erstmals schriftlich erwähnt wurde. In diesem Jahr musste sich Graf Heinrich von Fürstenberg in seinem Bestreben, die Kapelle auf dem Kniebis zur Pfarrkirche erheben zu lassen, mit dem Kloster Herrenalb einigen, da die Betreuung des Gotteshauses bisher durch einen Mönch des Zisterzienserklosters wahrgenommen worden war. Noch im gleichen Jahr wurde die Abtrennung der Kapelle von der Pfarrkirche Dornstetten durch den Bischof von Konstanz vollzogen und ihr ein eigener Zehntbezirk zugewiesen, begrenzt durch den Forbach im Osten und die Grenze zur Diözese Straßburg im Westen.

Das Zusammenleben der sich auf dem Kniebis ansiedelnden Kleriker wurde zunächst durch eine Kanonikerordnung geregelt, doch bereits kurze Zeit später sprechen die Quellen davon, dass Franziskanermönche die Kirche auf dem Kniebis betreuen.

1278 verzichtete Heinrich von Fürstenberg dem Konvent gegenüber auf seine Lehenshoheit und schenkte den Mönchen auf dem Kniebis die Kirche samt Zubehör. Von diesem Zeitpunkt an sind in den Quellen zahlreiche Schenkungen an sowie käufliche Erwerbungen durch das Kloster links und rechts des Schwarzwaldkamms zu beobachten. Eine Kaufurkunde von 1270 nennt mit St. Marien auch die Patronin der Kapelle auf dem Kniebis. Nach der Fertigstellung eines neuen Kirchengebäudes im Sommer 1287 kamen weitere den hll. Peter und Paul, den zwölf Aposteln, Franziskus, Antonius und der Jungfrau Clara geweihte Altäre hinzu.

Den Höhepunkt der Wohltätigkeiten, die das Kloster durch verschiedene Herrscher erfahren hat, bildete sicherlich die 1330 dokumentierte Übertragung des Patronats der Kirche Dornstetten durch Graf Rudolf von Hohenberg an den Franziskanerkonvent, der die damit verbundenen Rechte wohl nie einforderte. Denn schon 16 Jahre später wird eindeutig Württemberg als Patronatsherr der Dornstetter Kirche genannt.

1341 nahm der Konvent auf dem Kniebis die Regel des hl. Benedikt an und unterstellte sich dem Kloster Alpirsbach. Durch das Recht auf freie Priorswahl und der freien Verfügung über ihre Einkünfte bewahrten sich die Konventualen aber eine gewisse Selbständigkeit.

Die weitere Geschichte des Schwarzwald-Klosters wird geprägt durch zwei Brände, von denen der erste 1463 das Klostergebäude zerstörte, der zweite 50 Jahre später auch die Kirche in Mitleidenschaft zog, so dass ihre Mauern vollkommen niedergerissen werden mussten. Nach dem mehrere Jahre währenden Wiederaufbau erlangte das Kloster keine große Bedeutung mehr. Die Instandhaltung des Passweges stand unter der Oberaufsicht der Landesherrschaft, ein vom Prior eingesetzter Gastmeister zog dafür den Wegzoll ein.

Die durch Herzog Ulrich 1534 eingeführte Reformation bedeutete auch das Ende des Klosters auf dem Kniebis. Der letzte Prior wanderte nach Bildechingen ab und die anderen Konventualen haben das Kloster ebenfalls offenbar bald verlassen. Die für Reisende weiterhin geöffnete und durch einen Gastmeister bewirtschaftete Zollstation brannte am Ende des 30-jährigen Krieges ab, die Klosterkirche wurde im Laufe der Jahre ausgeplündert und verfiel zusehens. 1799 schließlich wurde die Kirche vollständig ein Raub der Flammen, als eine französische Truppe darin Fleisch am offenen Feuer briet. Heute sind an der Stelle des ehemaligen Gotteshauses nur noch einzelne Mauerreste erhalten.

KERSTIN ARNOLD     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 308f. (K. ARNOLD).
- <AFA> 18 (1973) 283-303 (H. ROMMEL).
- <GermBen> V, 345-347 (K. SCHREINER).
- <KDW II> OA Freudenstadt, 92.
- M. EIMER: Zu Kniebis auf dem Walde. Baiersbronn 1954.
- K. LASCHEWSKI: Kloster Kniebis. In: S. LORENZ (Hg.): Der Nordschwarzwald. Von der Wildnis zur Wachstumsregion. Filderstadt 2001, 150f.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 494: Kniebis
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 102/38: Geistliche Lagerbücher: Kloster Kniebis
-Staatsarchiv Sigmaringen FAS F 23 NVA: Geistliche Verwaltung Freudenstadt
  ZurückSeitenanfang