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Dominikanerkloster Heidelberg - Geschichte

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Abbildung  Button Plan des Dominikanergartens zu Heidelberg 1802.
Die Gründung des Konvents geht in seinen Ursprüngen auf die Kurfürstin Mechthild von Savoyen-Achaia (+ 1438) zurück. Sie wollte einen Klarissenkonvent in Heidelberg gründen, ein Wunsch, der jedoch auch ihrem Sohn Ludwig IV. (+ 1449) verwehrt blieb. Erst dessen jüngerer Bruder Friedrich der Siegreiche (+ 1476) konnte das Familienprojekt in den 1470er Jahren aus der Taufe heben. Auf Wunsch seiner Schwester Elisabeth (+ 1478) hatte er das Kloster mit Dominikanern der strengen Observanz besetzt. Der erste Vikar des Klosters, Gerhard von Elten (+ 1484), kam dementsprechend aus Köln, das eine Hochburg der Observanz in der Provinz Teutonia darstellte, und wo auch Friedrichs Bruder Ruprecht (+ 1480) das Amt des Erzbischofs bekleidete, der die Verbindung hergestellt haben könnte. Die Verbundenheit mit dem pfalzgräflichen Haus sollte auch in den nächsten beiden Generationen nicht abreißen. So erfuhr der Konvent die Förderung der Dynastie; Kurfürstin Margarete (+ 1501) stiftete hier beispielsweise eine Kapelle samt Messen. Im Gegenzug schloss der Orden die kurfürstliche Familie wiederholt in ihre Gebetsverbrüderung ein.

Die Kirche wurde der Jungfrau Maria in Bethlehem geweiht. Patron des Konvents war der heilige Wendelin. Bereits in der Gründungsurkunde Friedrichs I. vom 24. Juli 1476 ist von der Einrichtung einer Dominikanerschule die Rede. Die dadurch gewünschte Förderung der Heidelberger Universität zeigte sich im Zulauf vieler Studenten aus den Reihen der Dominikaner, vor allem aus der Provinz Teutonia. Bis zur Reformation erfreute sich die Heidelberger Schule eines guten Rufs. Als einer ihrer prominentesten Schüler, die vorwiegend bürgerlicher Herkunft waren, ist Martin Bucer (+ 1551) zu nennen.

Die Reformation in der Kurpfalz beeinträchtigte auch das Ordensleben im Dominikanerkonvent. 1551 waren nur noch ein Prior und ein Laienbruder anwesend. Gemäß der Stiftungsurkunde fiel der Klosterbesitz, wie für diesen Fall vorgesehen, an das Spital, das vom Marktplatz in die Konventsgebäude zog.

Während des 30-jährigen Kriegs wurden unter bayerischer Besatzung die Bauten wieder den Dominikanern übergeben (1623-1633). Mit der Ankunft der schwedischen Truppen kamen die Lutheraner in den Besitz der Kirche, die Gebäude wurden wieder zum Spital umfunktioniert. Nach Errichtung der Providenzkirche (1658-1661) für die Lutheraner wurde die Spitalkirche für den Garnisonsgottesdienst genutzt.

Im Orléansschen Krieg waren die Zerstörungen von 1689 und 1693 derart, dass 1707 ein Wiederaufbau notwendig war - nach dem Konfessionswechsel der Kurfürsten jetzt wieder als Dominikanerkonvent. Wenig ist über das Ordensleben in dieser Zeit bekannt, in die der Tod des Kirchenhistorikers Johann Friedrich Schannat (+ 1739) fällt, der in der Kirche begraben wurde. Während der Koalitionskriege scheint sich das Kloster geleert zu haben, denn 1801 wurde es von Kurfürst - dem späteren König - Maximilian Josef (+1825) aufgehoben.

Nach dem Übergang der rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz an Baden 1803 kamen die Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters ein Jahr später an die Universität. An den darin untergebrachten medizinischen und naturwissenschaftlichen Instituten wirkte unter anderen Robert Bunsen (+ 1899). Für neue Universitätsgebäude wurde der Komplex 1855 abgerissen.

THORSTEN HUTHWELKER     
LITERATUR
-<KDB VIII/2>, 117.
- S. A. WÜRDTWEIN: Monasticon Wormatiense. Bd. 3, fol. 87r-138v (Universitätsbibliothek Heidelberg. Heid. Hs. 130, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs130_3?sid=a15c1b4a0babdd32643936f63b159c7d).
- R. LOSSEN: Zur Geschichte des Dominikanerklosters Heidelberg 1476 bis 1853. In: <FDA> 1 (1950), 167-185.
- T. HUTHWELKER: Elizabet de Baviere (+ 1478) - eine Tochter Pfalzgraf Ludwigs III. als Vertraute der heiligen Colette und die geplante Gründung eines Klarissenkonvents in Heidelberg. In: <ZGO> 157 (2009), 63-77.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 204: Heidelberg, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 205: Heidelberg, Universität
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