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Deutschordenskommende Beuggen - Geschichte
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Abbildung  Button Das Deutschordensschloss Beuggen. Zeichnung von A. Winterlin.
Die Gründung der Deutschordenskommende Beuggen geht zurück auf eine im Jahr 1246 erfolgte Schenkung des Reichsministerialen Ulrich von Liebenberg. Er übereignete dem Deutschen Orden seine Besitzungen zu Beuggen, nämlich den Hof, die Kirche samt Patronatsrecht mit Einkünften und die Burg nebst seinen Gütern zu Nollingen sowie den Hollwangerhof bei Schwörstatt. Im darauf folgenden Jahr erfolgte eine umfangreiche Seelgerätstiftung von Gütern zu Beuggen durch Ita, Gattin des Ulrich von Altenklingen. Ihr Sohn Walter übergab dem Orden ebenfalls einige Güter. Es folgten weitere Schenkungen des umliegenden Adels, so dass der Konvent bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens ausreichend mit Einkünften ausgestattet war.
In der Nachfolge der Kommende Rufach (Oberelsass) kam Beuggen vom Ende des 13. Jh. bis zum beginnenden 15. Jh. die führende Rolle in der Ordensballei Elsass-Burgund zu. Beuggen war in dieser Ballei, welche ungefähr das Gebiet zwischen Straßburg, Bern und Bodensee umfasste, sehr zentral gelegen. Den Beuggener Komturen wurde oft das Amt des Landkomturs übertragen und die jährliche Tagung aller Konvente, das Balleikapitel, fand in Beuggen statt. Erst um 1460, als Beuggen endgültig in das vorderösterreichische Territorium eingliedert war und damit die dem Orden zugestandene Unabhängigkeit verloren hatte, wählte man die Kommende Altshausen, welche keinem Landesherren unterstand, zum Hauptsitz der Ballei.
Der Konvent setzte sich zusammen aus dem Komtur, den Ritterbrüdern und den Priesterbrüdern, welche die Patronatskirchen geistlich zu versorgen hatten. Die Konventualen entstammten in den meisten Fällen der regionalen Ministerialität. Außerdem gehörten dem Konvent auch Halbbrüder an, welche aufgrund ihres Herkommens nicht in den Orden eintreten konnten. Im 14. Jh. beherbergte die Kommende bis zu 14 Ritter- und Priesterbrüder. Außerdem waren dem Konvent noch Wohltäter und Pfründner angegliedert, welche aufgrund von besonderen Stiftungen Anteil an der geistlichen Betreuung durch den Orden hatten. Für das Jahr 1331 ist auch die Existenz eines Schwesternkonvents urkundlich belegt, welcher jedoch vermutlich nur kurze Zeit bestand. Da seit der Mitte des 15. Jh. in den Deutschen Orden nur noch Männer mit einer langen adeligen Ahnenfolge aufgenommen wurden, entwickelte sich auch Beuggen mehr und mehr zur Versorgungsanstalt für den Adel und schließlich zu einem geistlichen Herrensitz. Nachdem seit der Mitte des 18. Jh. auch die hohe Gerichtsbarkeit über einige Orte zum Besitz gehörte, wurde die Verwaltung einem juristisch geschulten Balleirat übertragen. Damit war der Komtur von den Verwaltungsgeschäften weitgehend befreit. Er bezog weiterhin die Einkünfte, während seine Anwesenheit nicht mehr unbedingt notwendig war.
Die Besitzungen lagen auf über 40 Ortschaften beiderseits des Rheins zwischen Basel und Freiburg, im Markgräflerland, im Baselland, in der Herrschaft Rheinfelden, im Fricktal, in der Grafschaft Laufenburg und auf dem Dinkelberg verstreut. Der Hauptwirtschaftsraum war der Dinkelberg, der Frickgau und der Sisgau. Die meisten Höfe wurden verpachtet. In Schaffnereien wurden die Einkünfte eingezogen. Ein Teil der Einkünfte wurde an den Orden für die Finanzierung seiner militärischen und sonstigen Tätigkeiten weitergeleitet. In Karsau und Riedmatt besaß die Kommende alle leib- und grundherrlichen Rechte. Als Niedergerichtsherr von Beuggen, Karsau und Riedmatt gehörte der Komtur vom 15. Jh. an zu den vorderösterreichischen Landständen. 1739 konnte die Kommende auch die hohe Gerichtsbarkeit über Karsau und Riedmatt erwerben.
Teils durch Schenkung, teils durch Kauf gelangte die Kommende vor allem im 13. und 14. Jh. in den Besitz von Patronatsrechten von 15 Patronatskirchen und inkorporierten Pfarreien. Dazu gehörten Birndorf am Hotzenwald, Hertingen, Herten, Hasel, Nollingen, Wyhlen, Minseln, Rickenbach (Landkreis Waldshut), Lengnau, Möhlin und Frick im Aargau, Buus, Wintersingen im Sisgau und Geltenkinden im Kanton Baselland.
Das 14. Jh. brachte dem Kloster schwere Schäden, vor allem durch ein Erdbeben im Jahr 1356 und durch plündernde Soldaten. Dies führte dazu, dass die Kommende in der zweiten Hälfte des 14. Jh. den jährlichen Zahlungsverpflichtungen an den Orden nicht mehr nachkommen konnte. Deshalb wurde der Konvent im Jahre 1396 vom Hochmeister in Pfandherrschaft genommen, also zur hochmeisterlichen Kammerballei gemacht. Dieser Zustand blieb bis zum Ende des Ordensstaates in Preußen 1525 bestehen.
Aus der Reformationszeit ging die Komturei Beuggen trotz Anfechtungen von innen und außen dank der Unterstützung des österreichischen Landesherrn gestärkt hervor. Im 30-jährigen Krieg wechselte die Burg mehrfach den Besitzer. Schweden, Kaiserliche und Franzosen machten sie jeweils zum Hauptquartier ihrer Armeen, während die Komture die schlimmsten Zeiten auf dem Hof Iberg im Aargau verbrachten.
1798 gingen die Güter im Aargau durch den Einmarsch der Franzosen in die Eidgenossenschaft verloren, 1803 jene im Fricktal, das an die Eidgenossenschaft kam. Zwar hatte der Reichsdeputationshauptschluss 1803 den Deutschen Orden verschont, doch bei der Errichtung des Rheinbundes im Jahr 1806 wurde auch dieser enteignet. Die Schlosskirche und die ehemalige Firmarie gingen in den Besitz der örtlichen katholischen Pfarrgemeinde über. Der Rest der Anlage wurde der Großherzoglichen Badischen Domänenverwaltung übergeben.
Der Balleirat von Beuggen wurde nach der Säkularisation Domänenbeamter, während man den letzten Komtur mit einer Rente abfand.
Nach der Säkularisation standen die Gebäude zunächst leer. In den Befreiungskriegen dienten die Gebäude als Kriegslazarett für die Armee Schwarzenbergs. Es starben dort 1813/15 mehr als 3.000 Soldaten. 1820 richteten Carl Friedrich Spittler und Christian Heinrich Zeller in dem verödeten Haus ein Seminar für Armenlehrer und für verwahrloste Kinder ein, welches vom Basler Pietismus und von der Pädagogik Pestalozzis geprägt war. 1954 ging das Anwesen in den Besitz der Evangelischen Landeskirche in Baden über. Bis 1981 diente Beuggen als evangelisches Kinderheim und Lehrerseminar. Seit 1985 wird das Schloss als evangelische Tagungs- und Begegnungsstätte genutzt.
Von der älteren Burg Beuggen, welche dem Orden 1246 gestiftet worden war und die zunächst als Konventsgebäude diente, hat sich nichts erhalten. Um 1250 verließen die Ritter diesen Standort und siedelten sich unterhalb der älteren, kleinen Höhenburg unmittelbar am Rhein an. Der Fluss selbst und ein mit ihm halbkreisförmig verbundener Wassergraben boten einen guten Schutz für eine neue Burg. Bis 1268 wurde hier ein Neubau errichtet, der ständig weiter vergrößert wurde. Davon haben sich der Wohnturm, wenn auch kaum noch zu erkennen, und einige Befestigungsanlagen erhalten. Durch die Armagnaken 1444, durch eine Fehde mit dem Bistum Basel und durch den Bauernkrieg 1525 wurde der mittelalterliche Gebäudekomplex schwer beschädigt. Nach dem Bauernkrieg wurden die Befestigungsanlagen des Schlosses ausgebaut. Von 1585 bis 1598 wurde trotz abnehmender Konventsstärke der Wohnbau um das Doppelte nach Westen verlängert. Die Kirche wurde durch einen höheren Aufbau verändert. Kriegerische Auseinandersetzungen am Oberrhein vom 30-jährigen Krieg bis zum österreichischen Erbfolgekrieg verursachten wiederum verheerende Schäden an den Bauten, was immer wieder Baumaßnahmen zur Folge hatte. Die spätbarocke Umgestaltung des Schlosses und der Kirche erfolgte um die Mitte des 18. Jh. unter dem Deutschordensbaumeister Johann Caspar Bagnato. Die Kirche erhielt um 1780/90 noch einige frühklassizistische Veränderungen. Der allgemeine bauliche Gesamteindruck der Anlage zum Zeitpunkt der Säkularisation blieb bis heute weitgehend erhalten, wenn auch das bewegliche Inventar durch die Aufhebung verloren ging.
ANDREAS BUTZ     
LITERATUR
-<KB Lörrach> II, 315f.
- P. HEIM: Die Deutschordenskommende Beuggen und die Anfänge der Ballei Elsaß-Schwaben-Burgund. Bonn-Bad Godesberg 1977.
- H. BROMMER: Der Deutsche Orden und die Ballei Elsaß-Burgund. Bühl 1996.
- M. SEHRINGER: Geschichte des Deutschordensschlosses Beuggen. In: Das Markgräflerland II (1997) 21-38.
QUELLEN
-Staatsarchiv Ludwigsburg B 231-B 351a: Deutscher Orden
-Generallandesarchiv Karlsruhe 18: Beuggen
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 61: Protokolle
-Generallandesarchiv Karlsruhe 62: Rechnungen
-Generallandesarchiv Karlsruhe 66: Beraine
-Generallandesarchiv Karlsruhe 67: Kopialbücher
-Generallandesarchiv Karlsruhe 68: Repertorien
-Generallandesarchiv Karlsruhe 70 Hertingen:
-Generallandesarchiv Karlsruhe 72: Lehen- und Adelsarchiv
-Generallandesarchiv Karlsruhe 74: Baden-Generalia
-Generallandesarchiv Karlsruhe 81: Ensisheim (Vorderösterreich u.a ): Extradita Colmar
-Generallandesarchiv Karlsruhe 85: Basel (Hochstift)
-Generallandesarchiv Karlsruhe 86: Beuggen
-Generallandesarchiv Karlsruhe D: Kaiser- und Königsurkunden 1200-1518
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