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Karmeliterkloster Heidelberg - Geschichte

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Abbildung  Button "Grund Plan des ehemalig gewesenen Carmeliter Closters in Heidelberg". Holzschnitt Wieser Werkmeister
Kurfürst Johann Wilhelm (1690-1716) genehmigte im Zuge seiner Rekatholisierungspolitik zunächst den Beschuhten Karmelitern aus Weinheim eine Niederlassung auf dem Platz mit den Ruinen der katholischen Pfarrkirche St. Jakob am Friesenberg. Diese war 1688 anstelle der fast verfallenen mittelalterlichen Jakobskapelle aufgeführt, aber bereits 1693 durch die Franzosen gebrandschatzt worden. Die Gründung sollte auf eigene Kosten des Ordens erfolgen. Durch die Intervention der Kaiserin Eleonore Magdalena, verhinderte Karmelitin und Schwester Johann Wilhelms, erhielten jedoch nicht die Weinheimer Karmeliter, sondern die Unbeschuhten Karmeliter der deutschen Provinz in Wien am 5. Februar 1701 letztendlich die kurfürstliche Zustimmung für die Niederlassung.

Der Gründungskonvent aus dem Augsburger Kloster des Ordens traf Mitte März 1702 in Heidelberg ein und die Ruinen der abgebrannten Jakobskirche wurden bis 1713 wieder aufgeführt. Ende April 1703 wurde Pater Optatus a S. Conrado vom Provinzkapitel zum ersten Vicarius des Heidelberger Klosters ernannt. 1712 wurde mit Pater Justinian vom hl. Hugo im Heidelberger Kloster der erste Prior eingesetzt.

Das Karmeliterkloster trat in Heidelberg zunächst über die Predigt in Erscheinung, zumindest ein Ordensgeistlicher war immer als "concionator " tätig. Als Hort karmelitischer Josefsfrömmigkeit ist die Josefsbruderschaft zu sehen, die seit 1721 mit dem Kloster verbunden war. Als deren Mitglieder lassen sich im 18. Jh. die beiden Kurfürsten Karl Philipp (1716-42) und Karl Theodor (1742-99) sowie viele Persönlichkeiten des kurpfälzischen Hofes und katholische Honoratioren Heidelbergs feststellen. Die Josefsbruderschaft überlebte das Heidelberger Kloster um mehr als hundert Jahre. Zeitweise hatten die Unbeschuhten Karmeliter über die Seelsorge beträchtlichen Einfluss auf die kurfürstliche Familie. Die Ernennung des hl. Josef zum Schutzpatron der Kurpfalz im Jahr 1753 geht beispielsweise darauf zurück. Zumindest in der zweiten Hälfte des 18. Jh. nahmen die Karmeliter in begrenztem Maße auch Aushilfen in der Pfarrseelsorge wahr.

Bedeutung gewann das Heidelberger Kloster innerhalb der Kölner Karmeliterprovinz als Studienkonvent in den Jahren 1755 bis 1787. Dort wurde der geistliche Nachwuchs des Ordens in Theologie, Philosophie und Fremdsprachen ausgebildet. Als Lektoren entsandte man die geistige Elite der Ordensprovinz nach Heidelberg. Als 1773 der Jesuitenorden aufgehoben wurde, der bisher die Professorenschaft der Heidelberger Universität dominiert hatte, mussten die anderen Orden die dort entstandenen Lücken füllen. Aus den Reihen der Unbeschuhten Karmeliter sind an der Theologischen Fakultät, katholische Abteilung, der Heidelberger Hochschule die Professoren Pater Alexius a S. Aquilino (Johannes Andreas Eisentraut), Pater Johannes a Cruce (Andreas Streit) und der berühmte Aufklärungstheologe Pater Thaddaeus a S. Adamo (Thaddäus Anton Dereser) besonders zu nennen.

Seine eigentliche Bedeutung gewann das Heidelberger Karmeliterkloster jedoch als Grablege des kurfürstlichen Hauses sowie des katholischen Adels und Bürgertums Heidelbergs und der Kurpfalz. Eigene Grüfte unter dem Langhaus der Kirche hatten die Familien von Wiser und von Freudenberg sowie die Pfalz-Neuburger mit der "Fürstengruft " (1735). Zuletzt fand in ihr 1794 die pfälzische Kurfürstin Elisabetha Augusta ihre vorletzte Ruhestätte. Im allgemeinen Grabgewölbe wurden, um dessen Fassungsvermögen zu erhöhen, die Leichen nicht in den Boden versenkt, sondern in Holzsärgen aufeinander gestapelt. Mehrere Hundert Menschen fanden dort ihre letzte Ruhe. Mit der Funktion als Grablege war für die Karmeliter auch verstärkt die Aufgabe des Totengedenkens verbunden. Dieses brachte auch regelmäßige Einnahmen in Form von Messstipendien. Persönliche Trauerbegleitung spielte in diesem Rahmen ebenfalls eine Rolle.

Die Geringschätzung und Bekämpfung des Klosterlebens durch die Aufklärung im 18. Jh. machte dieses als Lebensentwurf immer weniger attraktiv. Qualifizierter Nachwuchs blieb daher bei den Klöstern aus. Deshalb verzichteten die Heidelberger Karmeliter Ende der 1780er Jahre ganz auf die Aufnahme von Novizen. Die aufklärerischen Ideen verursachten zudem Probleme innerhalb des Konvents, so glaubten die beiden letzten Prioren des Heidelberger Karmeliterklosters am Vorabend der Säkularisation nicht mehr an den Fortbestand der Gemeinschaft und es wurde ein Verfall der Klosterdisziplin festgestellt.

Empfindliche Einschnitte im Klosterleben mussten die Karmeliter während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem revolutionären Frankreich hinnehmen, da die Österreicher und ihre Verbündeten ihr Kloster als Proviantmagazin nutzten. Weiteres Ungemach erlitten sie um die Jahrhundertwende durch die Einquartierung pfälzischer Rekruten.

Kurfürst Max Josephs Aufhebungsdekret vom 25. Januar 1802 bedeutete die landesherrliche Säkularisation aller Mendikanten und nichtständischen Klöster im bayerischen Herrschaftsbereich. Bereits 1801 waren staatliche Kommissare im Heidelberger Karmeliterkloster erschienen und hatten ein Inventarium des gesamten Eigentums der Bewohner angefertigt. Die Unbeschuhten Karmeliter des Mannheimer Klosters waren bereits am 9. März 1802 zu ihren Mitbrüdern nach Heidelberg geschickt worden. Bald darauf mussten alle "Ausländer" - also alle Nicht-Kurpfälzer - unter den Mönchen das Kloster verlassen. Den beiden jüngsten Patres wurden Kaplanstellen in der Pfalz zugewiesen. Am 31. März 1803 erfolgte die Aufhebung des Heidelberger Klosters. Von den noch verbliebenen sechs alten Mönchen heißt es: "Am bestimmten Tage trennten sie sich ohne Weigerung". Die drei Patres unter ihnen wurden mit 175 fl jährlicher Pension, die drei Laienbrüder mit 125 fl in die Welt entlassen. Gregor Hertwig, einer der Patres, leistete publizistischen Widerstand. Ab 1803 verfasste er anonym eine deutschsprachige Chronik des Heidelberger Karmeliterklosters auf der Basis eines heute verschollenen lateinischen Originals und ließ dabei die Sicht der Säkularisationsopfer einfließen. Sein Werk ist die einzige erzählende Quelle zur kurpfälzischen Klostergeschichte und Säkularisation.

Kirche, Kloster und Garten - ein Areal von etwa vier Morgen - wurden für 11.000 fl versteigert. Bereits 1805 waren die zehn in der Fürstengruft ruhenden Wittelsbacher in aller Stille nach München überführt worden; 200 Leichen aus der Krypta wurden 1806 ebenso geheim im Garten des Klosters verscharrt.

Die baulichen Gegebenheiten des Klosters sind gut dokumentiert. Nach dem Wiederaufbau der Jakobskirche (1713) wurde im November 1718 der Grundstein für einen eigenen Klosterbau gelegt . Dieser wurde durch den Karmeliterbruder Dominicus a S. Euphrosina aufgeführt, der bereits 1711 bis 1714 als Baumeister das Dreifaltigkeitskloster der Unbeschuhten Karmelitinnen in München errichtet hatte. Das Konventsgebäude wurde Ende der 1720er/Anfang der 1730er Jahre und in der ersten Hälfte der 1760er Jahre erheblich aus- und umgebaut und die Klosterkirche mit einem Hochaltar, einem Josefsaltar aus Eichenholz sowie 1753 mit einem neuen Muttergottesaltar ausgestattet. Ebenfalls in den 1750er Jahren wurde eine mit reichem Schnitzwerk versehene Kanzel aus Eichenholz in Auftrag gegeben, die heute in der Mannheimer Jesuitenkirche steht.

Beim späteren Abriss des Karmeliterklosters blieben nur ein Winkelbau und zunächst auch der Turm der Klosterkirche stehen. Die Niederlegung des Kirchturms wurde 1809 als Volksbelustigung gestaltet. Anfangs des 20. Jh. befanden sich noch Architekturreste der Karmeliterkirche in den städtischen Sammlungen Heidelbergs. Der Winkelbau wurde in der ersten Hälfte des 20. Jh. stark verändert. Nach einem Brand im Jahre 1933 musste das ersten Obergeschoß und das Dach erneuert werden. Dabei bekam letzteres eine andere Form. Erhalten ist noch die Priorenwohnung im ersten Obergeschoß sowie das Refektorium mit seinen drei weitgespannten Kreuzgratgewölben; ebenso der ehemalige Speisesaal der Mönche. Außerdem lassen sich noch die Türgewände der ehemaligen Zellen erkennen.

Das Gebäude befindet sich heute im Besitz der Nachkommen der Familie Luckenbach-Klingenstein.

MARKUS A. MAESEL     
LITERATUR
-<KDB VIII/2>, 116.
- M. A. MAESEL (Hg.): "So zerstörte die alles verherende Aufklärung eine hundert jährige Arbeit ... "."Chronik des Barfüsser Karmelitenkloster zu Heidelberg. Ein Beytrag zur Pfälzischen Kirchengeschichte ". Die deutsche Fassung des P. Gregor Hertwig. Ubstadt-Weiher 1998.
- Ders.: Die Säkularisation der Klöster in Heidelberg und der Kurpfalz. In: A. KOHNLE, Frank ENGEHAUSEN, Frieder HEPP, Carl-Ludwig FUCHS (Hg.): " ... so geht hervor ein' neue Zeit ". Die Kurpfalz im Übergang an Baden 1803. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg. Ubstadt-Weiher 2003, 117-130.
QUELLEN
-Generallandesarchiv Karlsruhe 204: Heidelberg, Stadt
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