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Deutschordenskommende Horneck - Geschichte

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Abbildung  Button Deutschordenskommende Horneck. Aufriss für einen Neubau des Ordensschlosses durch F. Keller, 1723.
Über die Frühgeschichte der Kommende Horneck am Neckar berichtet ein 1456 für die dortige Kapelle geschaffenes Stifterbild. Zwischen 1254 und 1258 traten der Ministeriale Konrad von Horneck und seine Söhne dem Deutschen Orden bei und überließen ihm die Familienburg. Die Kommende erwarb den Burgweiler Gundelsheim, für den 1398 König Wenzel (1376-1400, +1419) dem Orden das 1378 durch Karl IV. (1346-1378) verliehene Stadtrecht und die Halsgerichtsbarkeit bestätigte. Das Haus verfügte außerdem über reichen Besitz bei Stocksberg im Zabergäu. Nach einem Visitationsprotokoll vom Anfang des 15. Jh. umfasste der Konvent neun Mitglieder, von denen fünf Priester waren, in der Mitte dieses Jahrhunderts war er auf vier Ritter- und acht Priesterbrüder angewachsen.

Seit Deutschmeister Konrad von Egloffstein (1396-1416) entwickelte sich die Horneck zur ständigen Residenz der Deutschmeister, zu dessen Kammerhäusern die Burg gehörte. Die Versammlung der Gebietiger der Ballei Franken und der Kammerhäuser beschloss 1499, dem 1494 in den Rang eines Reichsfürsten erhobenen Deutschmeister die Nutzung der Horneck auf Dauer zu überlassen. Der Komplex wurde meist durch einen Hauskomtur verwaltet.

Nachdem Deutschmeister Dietrich von Cleen (1515-1526, +1531) im Bauernkrieg von der Horneck nach Heidelberg geflohen war, plünderte der Odenwälder Haufen die schutzlos gelassene Burg, die mit dem Archiv der Deutschmeister in Flammen aufging. Fortan wurde der Besitz als Kammerhaus des Deutschmeisters verwaltet. Seit 1782 wurde die Horneck zum Sitz des Neckaroberamtes, zu dem seit 1789 die Ämter Heilbronn, Heuchlingen, Horneck, Kirchhausen, Neckarsulm und Stocksberg rechneten.

Der Besitzkomplex wurde am 19. November 1805 vom Kurfürstentum Württemberg mediatisiert und später vom Königreich säkularisiert. Die Burg wurde zunächst als Kaserne und ab 1814 als Militärspital genutzt. Seit 1824 ist das Schloss in privater Hand, war Naturheilanstalt und in den Weltkriegen Lazarett. Seit 1960 befindet es sich im Besitz der Landsmannschaft der "Siebenbürger Sachsen", die hier ein Altersheim und kulturelle Einrichtungen unterhält.

Das Patrozinium der Kapelle auf der Horneck ist nicht bekannt. Eine Bruderschaft zu Ehren der Ordenspatrone, der hll. Maria, Georg und Elisabeth, erhielt 1429 die bischöfliche Approbation. Die Pfarrei St. Nikolaus in Gundelsheim war dem Deutschen Orden inkorporiert, deren Kirche aus einer unter Deutschmeister Eberhard von Saunsheim (1420-1443) erweiterten Hospitalkirche hervorging.

Das große Neckarschloss mit zwei durch den mittelalterlichen viereckigen Bergfried getrennten Binnenhöfen geht in seiner heutigen Form weitgehend auf den Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Bauernkrieges in den Jahren 1526 bis 1533 zurück. Der spätmittelalterliche Bauzustand ist durch eine Skizze Hans Baldungs gen. Grien (um 1480-1545) dokumentiert.

Zur Anlage führen eine Vorburg, mehrere Brücken und Tore. Barocke Umbaumaßnahmen nach Plänen Franz Kellers (1682-1724) fanden 1724 bis 1728 statt. Zu den Ergänzungen und zur Ausstattung des 18. Jh. gehören Fürstensaal und Kapelle.

DIETER J. WEISS     
LITERATUR
-<Württ. Klosterbuch> 291f. (D. WEISS).
- <KDW I> OA Neckarsulm, 440.
- H. BOOCKMANN: Das Hornecker Stifterbild und die Anfänge der Deutschordenskommende Horneck. Beiträge zu einer Ikonographie des Deutschen Ordens. In: U. ARNOLD (Hg.): Horneck, Königsberg und Mergentheim. Zu Quellen und Ereignissen in Preußen und im Reich vom 13. bis 19. Jahrhundert (Schriftenreihe Nordost-Archiv 19). Lüneburg 1980, 11-32.
- B. DEMEL: Der Deutsche Orden und die Stadt Gundelsheim. Neckarsulm 1981.
- H. MESCHENDÖRFER: Siebenbürgisches Museum. Schloss Horneck. Gundelsheim. München/Zürich 1983.
- D. J. WEISS: Die Deutschordens-Ballei Franken im Mittelalter (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte IX/39). Neustadt a. d. Aisch 1991.
QUELLEN
-Staatsarchiv Ludwigsburg B 231-B 351a: Deutscher Orden
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
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